Die fünfte Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch beginnt mit den für diesen Komponisten typischen langen und suchenden Melodie-Entwicklungen. Kaum formt sich eine Aussage, gerät sie ins Stocken, versandet in einer fast greifbaren Ziellosigkeit. Zum vollständigen Erfassen dieser Beschreibung braucht es eine hochwertige Anlage.

Andy Moore kennt diesen Effekt und meint, dass bei Arcam genau aus diesem Grunde viele hundert Stunden in das detaillierte Hören zur Feinabstimmung der Geräte investiert würden. Nicht selten hätte das auch ein komplettes Umarbeiten der Schaltungen zur Folge. Für Moore ist es wichtig, dass die Musik den Hörer leicht erreicht: »Ein Verstärker sollte über das Potential verfügen, den Hörer klanglich und emotional anzusprechen. Das muss auf eine Art und Weise geschehen, welche die Botschaft der Musik erhält. Das musikalische Erlebnis sollte ohne Umschweife entstehen. Es kann ja nicht Sinn der Sache sein, dass man Gehörtes erst mit der Erinnerung verknüpfen muss, um zu einem dann zweitklassigen Erlebnis zu kommen.« Wenn Sie mich fragen: Mission erfüllt.

Die klangfarbliche Sensibilität beweist der A 38 auch bei einem Stolperstein, der für sehr viele Geräte schlicht zu hoch ist: eine guten Streichquartett-Aufnahme. Hier sind sich alle Instrumente technisch so ähnlich, die Tonerzeugung erfolgt auf dem gleichen Wege, und bei einem eingespielten Ensemble verschmelzen die einzelnen Stimmen durch das jahrelange Bemühen um perfekte Angleichung noch mehr. Und auch hier beweist der A 38, was möglich ist. Ob jetzt Matthias Lingenfelder oder Jens Oppermann spielt – stets ist klar, in welcher Geigenstimme des Auryn Quartetts die Melodie gerade behandelt wird. Auch die Übernahmen zu den tieferen Stimmen werden trotz einer stupenden Spielkultur des Ensembles fein aufgedröselt.

Musikalischer Doppelbeschluss

Nun kommt die Endstufe P 38 ins Rennen – es spricht für die akribische Abstimmung, dass sich tonal gar nichts ändert. Farben, Klänge – all das bleibt unangetastet. Spürbar wird der Schritt durch ein nochmaliges Öffnen des Raumes, der nun vor allem auch in der Tiefe gewinnt. Zudem kommen nun mehr Details durch, das Doppel spielt noch akribischer und feiner als der Verstärker alleine. An größeren Lautsprechern zeigt sich auch eine Zunahme der Basspräzision. Angesichts des Preises ein wunderbarer Schritt. Viele Leute geben für ein Kabel, das weniger bringt, mehr aus.

Wenn ich jetzt doch noch einen klanglichen Fingerabdruck benennen soll, dann attestiere ich den beiden Arcams eine bei aller Detailverliebtheit entspannte Spielweise, die sich in einer »Unaggressivität« in den oberen Mitten und Höhen äußert. Das Wort Zurückhaltung würde schon zu weit gehen, daher meine unglückliche Neuschöpfung. Mit den Arcams kann man jedenfalls extrem lange Musik hören und möchte nach Stunden immer noch lauter drehen.