Bleiben wir doch gleich bei der Endstufe, die von einem mächtigen Ringkerntransformator gespeist wird. Pro Kanal sind jetzt 12 Transistoren im Einsatz, die es im i-fidelity.net-Messlabor auf satte 548 Watt Leistung an vier Ohm gebracht haben. Besonderen Wert legen die Norweger auf eine patentierte Technik namens »Sound Engine«, die im H590 nun in der zweiten Generation die klassische Gegenkopplung ersetzt. Die Sound Engine basiert auf dem »Feed-forward«-Prinzip, statt einer Signalrückführung überwacht hier je ein kleiner parallel geschalteter Analog-Computer das Verzerrungsniveau jeder einzelnen Verstärkerstufe. Übersteigt dieses eine festgelegte Grenze, ab welcher die Verzerrungen hörbar werden sollen, wird ein invertiertes Signal generiert und eingespeist, um die unerwünschten Verzerrungsanteile auszulöschen. Den genauen Wert, ab welchem der Treshold Detector anspricht, verrät Hegel nicht. Bei leiseren Signalen bis zu mittlerer Lautstärke greift die Sound Engine dagegen nicht ein, die kaskadierten Stufen sind dann ganz herkömmlich lokal gegengekoppelt.

Nicht reden, machen

Für den H590 hat Hegel auch einen neuen USB-Eingang entwickelt, der Datenraten bis DSD 256 und 24 Bit / 384 Kilohertz sicher verarbeiten und klanglich höchsten Ansprüchen genügen soll. So soll ihn beispielsweise eine galvanische Trennung störunempfänglicher machen. Wir haben das mit unseren Testtracks überprüft – ohne jegliche Beanstandungen. Allerdings gilt bei USB-Verbindungen vom Rechner die Devise »je kürzer desto besser«. QED etwa bietet qualitativ hochwertige Verbindungen ab 30 Zentimetern an, bei Längen von über drei Metern kann es zwischendurch auch abrupt zum Ende der Übertragung kommen. Aus der Diskussion um MQA halten sich die Norweger elegant heraus. Sie spendierten dem H590 aber den entsprechenden Decoder, und wir sind im Hörraum überrascht, wie gut das bei gestreamten Inhalten von Tidal klingt.

Noch ein Wort zum DAC: Bent Holter ist der Auffassung, dass die rechnerische Bearbeitung von Digitalsignalen auf dem Papier zwar immer gut ausschaut, sich in der Praxis allerdings nicht immer in Form von klanglicher Qualität widerspiegelt. Deshalb belässt der H590 alle Signale in nativer Form, es gibt also kein Oversampling. Aufwand betrieben haben die Entwickler allerdings beim Schutz vor HF- und Magnet-Einstreuungen.

Der Hegel H590 gehört zu den Verstärkern, die eine solide Brücke zwischen der »alten« High-Fidelity- und der neuen, computerisierten Audio-Welt schlagen. Er verarbeitet analoge Signale klassischer Quellen wie CD-Player und Phonovorverstärker, und bei digitalen Quellen verhilft der in den Hegel eingebaute Wandler sogar älteren Schätzchen zu einem zweiten Frühling. Wer Musik über sein Smartphone beisteuern möchte, kann das mit Hilfe von Apple AirPlay in normaler Qualität machen. Wer audiophilere Ambitionen verfolgt, stellt einfach seinen Rechner neben den Verstärker, öffnet Audirvana+ und zapft dann Highresaudio, Tidal oder Qobuz an, um hier drei der möglichen und ausprobierten Portale zu nennen.

i-fidelity.net hat alle Datenformate geprüft, bei DSD 256 – unter anderem verfügbar auf einem dCS-Sampler – ist die höchste Bitstreamauflösung erreicht.