Auch per WLAN lässt sich Kontakt zum heimischen Netzwerk herstellen, damit auch diese Verbindung hohe Stabilität hat, ist der Marantz AV8805 mit gleich zwei Antennen ausgestattet.

Trotz aller Komplexität, die sich bei einer AV-Vorstufe naturgemäß nicht vermeiden lässt, kann der Bolide auch von Laien vergleichsweise problemlos eingerichtet werden. Die Raumakustik-Korrektur Audyssey MultEQ XT32 macht es möglich. Dazu analysiert das Gerät über ein angeschlossenes Mikrofon (gehört zum Lieferumfang) die Raumakustik an unterschiedlichen Hörplätzen. Bis zu acht Messpunkte sind möglich. Über präzise digitale Filter werden für die einzelnen Kanäle geeignete Frequenzgänge und Zeiteinstellungen festgelegt. Die Ergebnisse sind sehr gut. Wir legen Ihnen dennoch die Audyssey MultEQ Editor App an Herz. Die kostet mit knapp 20 Euro für mobile Android- und iOS-Geräte zwar vergleichsweise viel, dafür ist ihr Nutzwert aber auch ungemein hoch. Die Einmessung der Lautsprecher erfolgt wie gehabt, auch hier lassen sich bis zu acht Messpunkte definieren, drei müssen es mindestens sein. Das Einmessen von Lautsprechern ist ja grundsätzlich eine heikle Sache, Berührungsängste muss man dank der App glücklicherweise aber nicht haben. Diese kümmert sich um alles, und das vollkommen alleine und ansprechend über das Menü geführt. Entfernungen, Frequenzen, Bassmanagement – der Audyssey MultEQ Editor checkt sämtliche relevanten Werte und passt diese an. Die Ergebnisse der Lautsprecherkorrektur kann man sich für jeden einzelnen Lautsprecher grafisch anzeigen lassen (vorher und nachher). Auf eine Dezibel-Angabe verzichtet das Programm zwar, aber allein der Verlauf der Kurven ist sehr aussagekräftig.

Die App bietet unterschiedliche Möglichkeiten der Klangperfektionierung, unter anderem eine Hochtonanpassung und eine Mittenbereichskompensation. Das schönste Feature ist jedoch der Kurven-Editor. Hier lassen sich beliebige Punkte definieren, das Klangverhalten ändert sich individuell durch das Verziehen des Graphen. Die Anpassung erfolgt dabei immer paarweise, also für jedes Lautsprecher-Paar wie für die Front- oder die Surround-Boxen. Auch der Subwoofer lässt sich auf diese Weise optimieren. Über die Funktion MultEQ Filter-Frequenzbereich besteht zusätzlich die Möglichkeit, ein Fenster aufzuziehen, um Veränderungen nur in einem ganz bestimmten Bereich vorzunehmen. Die Anpassungen werden abschließend auf das Gerät übertragen und stehen jetzt sofort zur Verfügung. Auch für Laien ist dieses Prozedere perfekt, da man nichts falsch machen und somit auch nichts verstellen kann. Frühere Setups sind jederzeit wieder verfügbar.

In der Ruhe liegt die Kraft

Klanglich zeichnen den AV8805 dieselben Charaktereigenschaften aus wie die Marantz-Ingenieure: Er ist ungemein detailverliebt, kitzelt kleinste tonale Nuancen aus jedem Spielfilm präzise heraus und löst exzellent auf. Beispiel: ein tropfender Wasserhahn, ansonsten ist alles mucksmäuschenstill. Das Geräusch, wenn der Tropfen das Waschbecken berührt, macht der Marantz zum Erlebnis. Hier zeigt er seinen Feingeist, sein Gespür für die tonale zweite Ebene. Was damit gemeint ist? Es in einem Actionfilm ordentlich krachen zu lassen, wenn Autos zusammenstoßen oder ein Flugzeug abstürzt, ist vergleichsweise unproblematisch und einfach. Aber in den eher ruhigeren Sequenzen groß aufzutrumpfen, ist eine Kunst. Und der AV8805 beherrscht sie. Er seziert messerscharf, spielt dadurch aber nicht zu analytisch oder hart, sondern angenehm weich, fast schon seidig. Besagte actionreiche Passagen meistert er ebenfalls ohne Schwierigkeiten. Der Bass schiebt permanent nach, der Druck scheint nie nachzulassen. Wie ein Sportwagen selbst noch bei Tempo 220 zulegt, so kann auch der Marantz stets einen Gang höher schalten.

Diese Leistungsreserven sind beruhigend, die Dynamik fasziniert. Sogar in der reinen Stereo-Wiedergabe baut der AV-Vorverstärker eine breite Klangbühne auf: ruhig, souverän und auf einer soliden Basis. Kommen mehr Kanäle ins Spiel, so werden objektbasierte Darstellungen auf den Millimeter präzise an die richtige Stelle im Raum geschoben. Die Höhenlautsprecher Dali Alteco C-1 setzen ganz gezielt klangliche Akzente und bestücken das tonale Koordinatensystem im Hörraum auf jeder Raumachse perfekt abgestimmt. Auch hier fällt sofort das ungemein gute Auflösungsvermögen auf, das anspruchsvolle Ohren verwöhnt. Ein Genuss ist die Wiedergabe von Stimmen. Intonation und Timbre verzücken, unterschiedliche Klangfarben und individuelle Charakteristiken des Stimmapparates bildet der Marantz 1:1 und so exakt wie mit einer Schablone aus der Realität übertragen ab. Es gibt damit kein klangliches Genre, in dem er nicht voll punkten kann.

Typisch Marantz: das Bullauge mit dem zweiten Display. Design und Technik gehen eine attraktive Symbiose ein.