• Test
  • 2 6
  • Ausstattung Seite 5
  • Seite 6 TESTERGEBNIS

Sonus Faber nimmt sehr gerne Bezug auf Ankerpunkte aus der eigenen Firmenhistorie, für gewöhnlich handelt es sich dabei um gefühlvolle Neuinterpretationen »ehrwürdiger« Designs, wie etwa im Fall der jüngst vorgenommenen Überarbeitung der Homage-Serie. Für das SF16 griff Chefdesigner Livio Cucuzza besonders weit nach der Vergangenheit, bis hin zu den Anfängen von Sonus Faber. Damals, zu Beginn der 80er-Jahre, ersann Firmengründer Franco Serblin einen Lautsprecher, der so ziemlich mit jeder geltenden Konvention brach. Das »Snail« genannte Gebilde, eine der ersten Designs der Manufaktur, bestand aus einem Basiskorpus, aus dessen Seiten lange Ausleger hervortraten. An deren Spitzen befanden sich kleine Gehäuse mit Mittel- und Hochtönern – heute nennt man so etwas Satelliten. Während diese Idee ihrer Zeit voraus war, zu weit sicherlich, konnte sich auch im Zeitalter der Miniaturisierung von Lautsprechern einsichtigerweise eine Truhe mit langen Stegen nicht durchsetzen. Unter anderem allerdings auch, weil man kompakten Lautsprechersystemen heutzutage mit nach außen gedrehten Mittel-Hochton-Einheiten eine breitere Stereo-Basis beibringt – oder sie den Ohren gleich per DSP vorrechnet.

Vielleicht eben deshalb hat Sonus Faber nun dreißig Jahre später den Grundgedanken des Snail aufgegriffen und technisch in die Gegenwart transportiert, wobei das Design des SF16 und seine Funktion als Musiksystem erneut in die Zukunft weisen. Es wirkt auf Liebhaber klassischer High-End-Lautsprecher geradezu provokativ, außer der handwerklich sehr anspruchsvoll gemachten Holzverkleidung des Korpus findet sich kaum wohlig Bekanntes an diesem Objekt. Doch im Grunde drehen sich solche Irritationen mehr um die Ausrichtung des Herstellers; da geistert die bange Frage im Hinterkopf, ob Sonus Faber langfristig uns High-Ender im Stich lassen will. Oh weh, um sich auf das SF16 einzulassen, bedarf es eines gründlichen Perspektivenwechsels. Zunächst einmal zur ersten Beruhigung: Auch das SF16 hat Satelliten, gaukelt also nichts mit digitaler Phasenmanipulation oder dergleichen vor. Und die Bögen seiner eleganten, sehr organisch wirkenden Silhouette sind irgendwie doch auch charakteristisch für Sonus Faber. Als Alleinunterhalter tanzt der Neuling funktional gleich wieder aus der Reihe, das SF16 enthält Verstärkerelektronik und stellt insgesamt vier Eingänge bereit. Für den Anschluss konventioneller Tonquellen finden sich auf der Rückseite eine optische TosLink-Schnittstelle, ein koaxialer S/PDIF-Eingang und ein RCA-Eingang. Darüber hinaus kann sich das SF16 in ein WLAN einklinken und so Musik von mobilen Geräten, Computern und NAS abspielen, doch dazu später mehr.


Soweit dürfte klar geworden sein: Für High-Ender kommt das SF16 als Zweitanlage in Frage, und designorientierte Klientel findet in ihm eine reizvolle, unverwechselbare Stand-Alone-Lösung. Es ist kaum anzunehmen, dass Vergleichbares einmal die bisherigen Sparten der Italiener verdrängen soll, eher ist ein extravagantes Produkt wie das SF16 gedacht, neue, nicht so sehr HiFi-affine Interessenten anzusprechen und das Portfolio zu ergänzen. Klar ist auch, Sonus Faber möchte die Exklusivität dieses außergewöhnlichen Systems bewahren und beabsichtigt, lediglich 200 Exemplare pro Jahr zu fertigen – für den gesamten Weltmarkt. Jetzt ließe sich mutmaßen, man erwarte in Arcugnano und New York keinen wesentlich größeren Absatz, aber das SF16 bedarf gar keiner Rechtfertigung oder Relativierung. Es beweist seitens Sonus Faber die Fähigkeit, um die Ecke zu denken und den Mut, etwas wirklich Spezielles zu erschaffen – und das einfach weil man es kann und Lust dazu hatte.

Das ist auch das richtige Motiv, sich unbefangen den ästhetischen Reizen dieser Lautsprecherkonsole hinzugeben. Die ist ganz klassisch in matt gehaltenes Aluminium und wie immer vollkommen tadellos verarbeitetes Echtholzfurnier gekleidet, das nur in Walnuss-Ausführung erhältlich ist. Einen zusätzlichen Schuss Extravaganz bringt die in die Vorderseite des Sockels integrierte Beleuchtung ins Spiel, welche sich allerdings weder abschalten noch dimmen lässt. Bei abendlicher Schummerbeleuchtung aus einiger Entfernung betrachtet, inszeniert dieses recht helle Licht am Fuß des Gerätes dessen skulpturalen Charakter und lässt es beinahe schwebend wirken. Sofort nach dem Einschalten fahren elektrisch betriebene Motoren mit vernehmlichem Sirren die »Flügel« aus, und dann steht das SF16 da wie ein Ding aus einer anderen Welt, etwas futuristisch, ja nachgerade fremdartig anmutend. »Ich komme von weit her und in Frieden. Du bist nun bereit für diese Erfahrung, deshalb stelle ich einen Kontakt her.« Wagemutig weiter auf Tuchfühlung gehend, finde ich die zwei Tasten »Wings« am Gerät und auf der Fernbedienung; mit der einen lassen sich die zunächst nur ein Stück ausgefahrenen Satellitenausleger ganz entfalten, dann hat das SF16 eine Breite von etwas über einem Meter. Für die Ambiente-Beschallung in Räumlichkeiten wie Küche oder Bad sollten diese daher schon über ein gewisses Platzangebot verfügen. Die zweite »Wings«-Taste lässt die Flügel wieder etwas zurückfahren, so kann man das Stereo-Panorama justieren und die Gerätebreite an den vorgesehenen Aufstellungsort anpassen.

Die Bedienung stellt keine hohen Ansprüche an den Benutzer: Sie ist logisch und wirklich einfach nutzbar.
  • Test
  • 2 6
  • Ausstattung Seite 5
  • Seite 6 TESTERGEBNIS