Im Test war die Verbindung jederzeit stabil, selbst bei stundenlanger Musikwiedergabe gab es keinen einzigen Aussetzer oder Abbruch. Natürlich könnte man jetzt zur Fernbedienung greifen, um beispielsweise die Lautstärke zu verändern. Das kann man sich allerdings sparen, schließlich liegt das Smartphone ja griffbereit. Über einen kreisförmigen Schieberegler in der Google Home-App verändert man die Lautstärke nach Belieben. Und selbstverständlich gestatten die Streaming-Apps das Springen zu vorherigen oder folgenden Titeln. Google Home ist mittlerweile so ausgereift, dass die Anwendung absolut zuverlässig läuft und neue Geräte sofort erkennt und hinzufügen lässt.

In der recht ausführlichen Bedienungsanleitung werden alle Streaming-Möglichkeiten detailliert beschrieben. Wer ein bisschen mit seinem Smartphone oder Tablet vertraut ist, kann auf die Anleitung jedoch locker verzichten. Befinden sich beispielsweise ein iPad und die Tivoli-Box im selben Heimnetzwerk, genügt bei der Musikwiedergabe ein Fingertipp auf das AirPlay-Symbol des Apple-Geräts, und schon erscheint das Model One Digital als Lautsprecher-Option. Genauso simpel ist die Chromecast-Nutzung. Einfach eine unterstützte App wie YouTube öffnen und auf die »Cast«-Schaltfläche tippen – Tivoli Audio steht jetzt als Streaming-Partner zur Verfügung. Benutzerfreundlicher geht es nicht! Bevor wir die Soundeigenschaften bewerten, müssen wir noch einmal auf einen wichtigen Aspekt hinweisen: Das Model One ist kein Ersatz für eine ausgewachsene Heimkino-Anlage oder eine Soundbar im Wohnzimmer, es ist und bleibt ein anschlussfreudiges Radio, das in der Küche oder im Arbeitszimmer für gute Unterhaltung und regelmäßige Informationen beispielsweise in Form von Nachrichten sorgen soll. Deshalb darf man keine allerhöchsten audiophilen Ansprüche an das kompakte 350-Euro-Gerät mit Class-AB-Verstärker stellen.

Vergleicht man es mit dem Küchenradio, das bei den eigenen Eltern tagein und tagaus im Hintergrund dudelt, so wird allerdings schnell klar: Das Tivoli Audio spielt deutlich souveräner und luftiger, Stimmen sind gut akzentuiert und problemlos zu verstehen. Speziell im Mittenbereich ist der kleine Klangkünstler sehr homogen abgestimmt. Bei höheren Pegeln wirkt die Musikwiedergabe in den Höhen hingegen öfter etwas beschnitten und zugeschnürt. Und auch im Tieftonkeller darf man logischerweise keine Wunder erwarten, satte Bässe bringt dieses handliche Gehäuse nicht zustande. In gemächlicheren Passagen und in entspannten Stücken wie »Jenseits von Afrika« fühlt sich das Tivoli hingegen pudelwohl. Hier gefällt uns die Klarheit der Akustik, nichts könnte das DAB+-Radio jetzt aus der Ruhe bringen.

Der ordentliche Allrounder

Klassik hingegen ist für das Model One Digital recht schwere Kost. In Mozarts Sinfonie Nr. 40 werden die Streicher nicht so präzise voneinander getrennt wie es voluminösere Soundsysteme beherrschen, die Dynamik bleibt spürbar auf der Strecke. Aber wir erwarten schon wieder zu viel. Schenkt man dem Tivoli keine hundertprozentige Aufmerksamkeit, sondern lässt man es gedanklich ein klein wenig weiter im Hintergrund agieren, so gefällt uns der ausgerollte Klangteppich. Klar, die Breite der Bühne ist überschaubar. Aber dafür ist das Model One ein ordentlicher Allrounder, der eben die komplette akustische Bandbreite beherrscht und auch entsprechend abgestimmt wurde: Musik jedweden Genres, Podcasts, Nachrichten, die legendäre Bundesliga-Konferenz am Samstagnachmittag, Börsenkurse, Verkehrsinfos, Comedy oder ein Konzert, das Tivoli Audio macht alles mit und bietet Zugang zu jeder Quelle. Das muss ihm erst mal ein Mitbewerber in dieser Preisklasse nachmachen.