Dieser erste Eindruck einer Kombination aus Tiefton-Urgewalt und Monitor-Durchsichtigkeit verfestigte sich, als die X-8000er rein musikalisch gefüttert wurden – via Roon-Server als Ropieee-Endpunkt über Netzwerk vom Pi3B+ mit Allo DigiOne-Board direkt in den Koaxial-Eingang der zum Master deklarierten linken »X-Box«. Um die bestmögliche Klangqualität sicherzustellen, war diese per Kabel laufzeitkompensiert mit ihrem Kompagnon verbunden.
Beim Durchhören durch einige audiophile Test-Klassiker verzückte mich besonders die Darstellung eines Highlights des Three-Blind-Mice-Labels: »Aqua Marine« aus Isao Suzukis Album »Blow Up«. Die Präsentation geriet sehr erwachsen und stabil, weil unbestritten vollumfänglich: Der markante Standbass präsentierte einen gewaltigen Resonanzkörper, lotete die tiefsten Tiefen aus, während die punktuellen Schlagzeug-Eruptionen mit unbändiger Wucht und Kraft vorgetragen wurden. Das ergab die volle Punktzahl in Sachen Grobdynamik! Gleichsam aber fingen die schwäbischen Aktiv-Lautsprecher das sensible Aufeinanderzugehen der Musiker dank präziser Feingeistigkeit wunderbar ein. Bei den Chimes hörte ich genau die flirrende Vielfalt der einzelnen Elemente und deren Interaktion heraus; die Darstellung der Perkussionsinstrumente gelang durchweg famos. Das Auf- und Abschwellen der Becken zerlegte die nuPro in einen harmonisch ineinander gleitenden Prozess mit ausnehmender Klangtreue, die Mischung aus Attack und Decay tönte maximal naturnah.
Dieses hochklassige Auflösungsvermögen der Boxen zeigte sich auch bei Youn Sun Nahs Cover-Version von »Hurt«. Die X-8000 servierten die sehr zartstoffliche, auf mich aber auch immer etwas akademisch wirkende Sangeskunst der koreanischen Vokalistin in ihrem gesamten Facettenreichtum. Allenfalls einen Hauch Kühle glaubte ich hier zu erhören, eine Charaktereigenschaft, die Studiomonitor-orientierten Schallwandlern gerne zugeschrieben wird. Dieses mag aber auch mit meinem eher spärlich möblierten Raum zu tun haben. Hier ließ sich durch einen kleinen Schubser am virtuellen Equalizer-Regler in der App Abhilfe schaffen: minus 1 dB bei 3,5 Kilohertz hat gewirkt. Das ist ja einer der konzeptionellen Vorteile der digitalen Steuerung: Klangeingriffe können ohne Reue durchgeführt werden; daraus resultierende Phasenveränderungen finden im Gegensatz zu analogen Konzepten nicht mehr statt.
Trotz aller strengen Genauigkeit sind die nuPro X-8000 aber keinesfalls Spaßbremsen. Der Job als Freudenspender gelang ihnen besonders gut bei dem Blues-Rock-Titel »Cryng« von James Blood Ulmer: Die Drums haben ordentlich »Body«, der Bassist tritt durch die exzellente Tiefton-Darbietung der Aktiv-Boxen aus seinem ewigen Schatten und verleiht dem Titel hörbar eine stabile Basis, auf welcher die immer noch leicht angeschrägte Gitarrenarbeit von Mr. Ulmer wunderbar dazwischengrätschen kann. Gepaart mit der ungeschönt übermittelten rauen Gesangsperformance James Blood Ulmers klang alles sehr nach »live im Club dabei sein« – dank der guten räumlichen Ausleuchtung, vor allem wegen aber der wirklichen Fullrange-Präsentation der Boxen. Durch ihre üppige Leistungs- und Treiber-Ausstattung liefern die nuPro X-8000 stoisch aus einer inneren Ruhe und Gelassenheit heraus. Egal wie komplex die Vorlage oder wie fordernd die Pegel sind, sie machen einfach nur ihren Job – und den erledigen sie in beeindruckender Manier.
Diese exzeptionelle Performance wird zu einem Preis offeriert, der im Bezug auf das Gebotene extrem günstig erscheint. Schlüsselt man die Features der beiden nuPro X-8000 detailliert auf, dann erhält man nicht nur zwei exzellente Lautsprecher, sondern einen umfassend ausgestatteten Stereo-Vorverstärker inklusive Equalizer und Digital-Wandlern sowie acht Endstufen mit zusammen über 2.000 Watt Leistung. Und zwar in optimal aufeinander abgestimmter Form! Mehr Gegenwert ist mir in dieser Produktkategorie bisher nicht begegnet.