Eine respektvolle Würdigung an einen legendären Musiker: Makaya McCravens Remake »We're New Again«. Die neu eingespielte Interpretation des ursprünglich sehr schroffen letzten Albums von Gil Scott-Heron erklingt jetzt im wohltönenden klassischen Jazz-Funk-Duktus.

Nachdem der RS200 schon mehr Tieftonpotenz auf die Waage bringt als zu erwarten war, überrascht der kompakte Lautsprecher noch in einer zweiten Disziplin positiv: Räumlichkeit. Ein All-In-One-Stereo-Speaker hat konzeptionell immer einen Schwachpunkt: Die Bühnenabbildung ist aufgrund der Nähe beider integrierter Lautsprecher naturgemäß beschränkt. Soweit die Theorie. Doch als ich bei »New York Is Killing Me« die Augen schloss, war ich verblüfft, wie sehr die Abbildung sich von der Mitte, vom Lautsprecher löste und die Instrumente in einem Rahmen aufbaute, der merklich über die physikalischen Grenzen des potenten Klangriegels reichte. Da war nicht nur eine klare Links/Rechts-Trennung zu vernehmen, da spielten die Percussions, da sangen die Background-Damen horizontal und vertikal differenziert weiter im Raum positioniert. Diese Präsentation war natürlich immer noch kein weitest aufgezogenes Stereo-Panorama, aber ich musste mich ob der erstaunlichen Losgelöstheit des Klangs mehrfach vergewissern, ob nicht fahrlässigerweise meine links und rechts von den RS200 stehenden Referenz-Lautsprecher zufällig mitlaufen. Aber nichts dergleichen war der Fall! Für einen Einzel-Lautsprecher hat McIntosh diesen Aspekt auf überragende Weise gelöst. Respekt an die Herren Ingenieure.

Top am TV

Fernab von diesen beiden famos umgesetzten kritischen Aspekten liefert der RS200 auch bei den Standardanforderungen an einen multimedial orientierten Single-Speaker außergewöhnliche Qualität: Die Sprachverständlichkeit etwa erwies sich als exzellent, während der Lautsprecher seinen Dienst als TV-Vertoner antrat. Jener lokal eingefärbte Südstaaten-Slang der sich an robustere Gemüter richtenden Serie »Preacher« (Amazon Prime) ließ sich über die McIntosh-Box bestens dechiffrieren und genießen. Auch die kleinen Geräuschelemente, die Sound-Designer einsetzen, um ein kommendes Spannungsmoment anzukündigen, gingen über den RS200 nicht im Klangbild unter, sondern wurden klar kommuniziert. Und wenn es bei der Serie in puncto Action richtig im Karton knallte und rummste, lieferten die beiden Basstreiber der RS200 erneut Höchstleistungen ab. Wer diesbezüglich ausgesprochen hohe Anforderungen stellt, weil er häufiger Explosives und Brachiales im Wohnzimmer genießt und diese Erfahrung auch körperlich spüren will, kann zwar zusätzlich einen Subwoofer einbinden, aber dieses Bedürfnis stellte sich bei mir zu keiner Zeit ein.

Vielmehr genoss ich stattdessen durchweg das wohl abgerundete, stimmige, in sich geschlossene Klangbild des McIntosh-Speakers, der bei aller konsistenten Harmonie auch das Detail nicht verschluckte. Als ich die ausgezeichnete Veröffentlichung »Cypress Grove« von Jimmy »Duck« Holmes als 24 Bit / 48 Kilohertz-FLAC streamte, zeigte der RS200 beim ersten Titel »Hard Times« sogleich präzise die Feinheiten im rauen Klang der Gitarre des legendären Mississippi-Bluesmusikers auf. Deren metallische Note kombiniert mit den Umgreifgeräuschen und der dynamisch dargebotenen explosiven Spielart von Altmeister Holmes übermittelte der Aktivlautsprecher mit absoluter Akkuratesse und dynamischer Potenz. Und als im Verlauf des Albums die Arrangements umfangreicher werden und die Begleitband um Produzent Dan Auerbach immer stärker unterstützend sowie vertiefend dazukommt, da groovt es beispielsweise bei »Catfish Blues« so unwiderstehlich, dass sich der McIntosh-Lautsprecher den Titel einer großen, Spaß bringenden, echten Musikmaschine redlich verdient.

Für den schnellen Zugriff lassen sich an vier Tasten auf der Oberseite des Geräts Presets hinterlegen – zum Beispiel für favorisierte Streaming-Anbieter, Playlists oder Internet-Radiosender. Schlagendes Argument des McIntosh RS200 ist aber seine klangliche Performance.