Eigentlich steht die Marke McIntosh für das völlige Gegenteil dieses hier vorliegenden komfortorientierten Alleskönners: schwergewichtige Einzelkomponenten klassischen Aufbaus für ein in jeder Hinsicht imposantes, natürlich vollständig verkabeltes High-End-Setup. Wie soll dann eine miniaturisierte McIntosh-Anlage aussehen, die alles das per se nicht sein darf? Der Lösungsweg der Amerikaner: Der Begriff »Kompakt« wird relativiert. Ein RS200 ist groß, sehr groß sogar. Mit über 60 Zentimetern Breite, fast 15 Zentimetern Höhe und 32 Zentimetern Tiefe bei 13,3 Kilogramm Gewicht nähert sich der ambitionierte Stereo-Lautsprecher in seiner Formatierung eher einer großkalibrigen Soundbar. Deren Funktionalität er neben seiner Kernaufgabe als Stereo-System im Ü̈brigen auch noch anbietet, wie wir später sehen werden.

Aber es ist nicht nur das raumgreifende Format des Geräts, welches den Konventionen des Hauses folgt. Auch Anmutung und Ausfertigung entsprechen zu 100 Prozent dem, was der Kunde von diesem Hersteller erwartet. Ein RS200 folgt ästhetisch dem ikonischen McIntosh-Code und strahlt Luxus, Klasse, Gediegenheit und Selbstbewusstsein aus. Das ummantelnde schwarz lackierte Hochglanzgehäuse ist makellos; nur ein hoffnungslos nihilistischer Punkrocker käme jemals auf die Idee, darauf einen Fernseher zu platzieren. Die mit gewissem Abstand zum Hauptkorpus angebrachte silberne Basisplatte sorgt für ein luftigeres Erscheinungsbild und mildert die massive Präsenz des Geräts.

Das Verarbeitungsniveau ist fantastisch: Die beiden güldenen Regler für Volumen und Funktion laufen sämig wie ein angewärmtes Messer durch Butter. Die gläserne Frontpartie gibt die Sicht frei auf zwei blaue illuminierte Pegel-Anzeigeinstrumente, welche typisch für McIntosh-Komponenten sind und die Fans schon seit Jahrzehnten begeistern. Links und rechts davon wurden zwei Lautsprecher-Sektionen implementiert, die mit je einer 20-Millimeter-Titan-Hochtonkalotte und zwei 50-Millimeter-Titan-Mitteltönern pro Seite für differenzierten Ton sorgen wollen. Auf der Unterseite des RS200 lagern zwei langhubige ovale Tieftöner von jeweils 10 mal 15 Zentimetern Durchmesser, welche in einer Reflex-Abstimmung substanzielle Bass-Performance versprechen. Diese gelangt über den großen Schlitz oberhalb der Basisplatte nach außen. Hierbei hilft eine mit Pferdestärken nicht geizende Motorisierung: Insgesamt 650 Watt an Verstärkerleistung stehen dem RS200 zur Verfügung, aufgeteilt auf 250 Watt für den Tieftonbereich und 400 Watt für die beiden Hochmittelton-Einheiten.

Dank dieser technischen Ausstattung sollten die Grundlagen geschaffen sein, dass der ambitionierte Alleskönner nicht nur wie ein McIntosh aussieht, sondern auch wie einer klingt. Unseren Fotografen hat der RS200 jedenfalls derart beeindruckt, dass er »seinen Mac« sofort bestellt hat, noch ehe unser Testmuster bei mir eintraf. Doch bevor wir uns den akustischen Aspekten widmen, bleibt die Frage, inwieweit die Amerikaner diese Komponente im Hinblick auf Handhabung und Konnektivität an die spezifischen Anforderungen einer kabellosen All-In-One-Lösung ausrichten konnten.

Auch der schöne Rücken kann entzücken. Die Anschluss-Sektion des McIntosh RS200 ist variantenreich in Sachen Digital, eher sparsam in puncto Analog. Die Verarbeitung ist sehr hochwertig und entspricht damit dem hohen Standard der Amerikaner.