Weil ihr kleines, rundes Bullauge – die einzige sichtbare Interaktion zur Außenwelt – mit der Anzeige von Radiostationen, Musikgenres und Titellisten hoffnungslos überfordert wäre, sucht Marantz wieder den Kontakt zum iPhone, dem iPad, zu Tablet-PCs oder Android-basierten Smartphones. Eine App (für Applikation) bindet die MS 7000 an die Funk-Handsender von Fremdanbietern an und überlässt ihnen die Navigation. Leider hilft bei der Routenfindung auch der Marantz-eigene, aus dem Vollen gearbeitete Infrarot-Impulsgeber nicht weiter. Er kann lediglich die Eingänge umschalten, die Lautstärke drosseln oder per Preset eingespeicherte Internet-Radiosender aufrufen.

Beim Klang besinnt sich…

…die Consolette dagegen voll auf Marantz-Tugenden. Das heimelige, ovale Gehäuse ohne Ecken und Kanten, die Muschel aus extrahartem Walnussholz und der wahlweise in Schwarz oder Silber gehaltene grundsolide Aluminium-Sockel suggerieren nicht nur Wertigkeit, sondern sollen jegliche Eigenvibrationen unterbinden und zur Stabilität im Klangbild beitragen. Eigens für die Consolette entwickelte Lautsprecherchassis bilden die Basis für eine natürliche und räumliche Wiedergabe.

Für eine panoramareiche Wiedergabe setzt Marantz auf Hochton-Flachlautsprecher, für kernigen Bass und muskulöse Dynamik zeichnen sich 11-Zentimeter-Tiefton-Treiber verantwortlich. Insgesamt sechs (!) kräftige Digital-Endstufen (je zwei für die Tieftöner) mit insgesamt 140 Watt Ausgangsleistung befeuern die Zweiwege-Stereolautsprecher. Für die Feinabstimmung der Consolette zeichnete sich kein Geringerer als Marantz-Klangabgesandter Ken Ishiwata verantwortlich. Und der hat seine Hausaufgaben so gut gemacht, dass jeder, der das Zimmer mit der Consolette betritt, zunächst instinktiv versucht, eine ausgewachsene HiFi-Anlage dingfest zu machen. Um dann mit respektvoll hochgezogenen Augenbrauen bei der Consolette hängenzubleiben. Dabei wurde ihr Standort zuvor nicht etwa liebevoll optimiert und mit akustischen Mitteln bestmöglich ausgestaltet. Nein! Wo immer auch die Consolette steht, entfachte sie einen phänomenalen Raumklang. Und wo immer sich der Hörer im Raum aufhielt, gab es keine nennenswerten, störenden Frequenzeinbrüche. Ein weiteres Phänomen: die tonale Ausgewogenheit und die enormen Pegel, die das Speaker-System verzerrungsfrei lostreten kann.

Klar: Abgrundtiefer Tiefbass verbietet sich aufgrund des begrenzten Gehäusevolumens. Trotzdem ist die MS 7000 uferlos vom Kofferradioniveau entfernt. Gitarre reproduzierte sie griffig, betonte den Körper des Instruments. Stimmen klangen authentisch, weder kehlig noch brustlos. Klavieranschläge intonierte sie mit packendem Biss, die einzelnen Anschläge verflossen nicht ineinander, sondern unterschieden sich deutlich. Das Auffallendste aber war der unbändige Vorwärtsdrang. Das Timing, Gasgeben und Abbremsen, stimmen. Wo andere Komplettanlagen sich schwertun, komplexe Verflechtungen im Musikgeschehen zu entwirren, entknotete die Consolette wie selbstverständlich vielgestaltige Klanggespinste und führte das Klanggeschehen analytisch und pieksauber aufgelöst vor. Hut ab, die Consolette ist der Wolf ein Schafspelz. Sie sieht kreuzbrav aus, hat es aber faustdick hinter ihrer Walnuss-Schale.