Willy deVilles »ausgestöpseltes« Livekonzert »Unplugged In Berlin« vom 21. März 2002 wurde von Pauler Acoustics remastert, Meyer-Records veröffentlichte diese Doppel-LP 2011. Der Event in der Columbiahalle startet mit »Betty And Dupree«, einem Boogie-Woogie der Extraklasse. Das Trio ist von Anfang an auf Betriebstemperatur. Die Anordnung der Grundelemente auf der Bühne ist klar definiert: Links setzt sich Seth Farber ans Klavier, rechts agiert David Keyes mit seinem Kontrabass, während in der Mitte des Podiums unser Hauptakteur durch ein simples »Good Evening« für Aufmerksamkeit sorgt. Mit nuschelnd-hingebungsvoller Stimme lotet der alte Charmeur die Ursprünge seines Delta-Blues-Feelings aus. Die Textzeile des ersten Liedes »Kiss me, baby, right on my ruby lips« offenbart seine innigsten Wünsche. Willy deVilles Mundmimik verrät dabei akustisch nuancierte Details, die über das britische Hörer-Set äußerst detailliert zur Geltung kommen. Der Kontrabass spielt über den M500 mit kontrollierter Wucht auf und gibt gleichzeitig den Rhythmus vor.
Auch bei digitaler Kost rümpft der englische »Dressman« nicht die Nase, vielmehr lässt er sich genüsslich füttern. Für die XRCD »Getting To Know You« war gerade das beste Studio-Equipment gut genug, um Jheena Lodwicks Cover-Evergreens in Szene zu setzen. Dazu imponiert gleich zu Beginn das Klangspektrum der Perkussions-Instrumente. Melchior Sarreals mächtige Fellmassagen sorgen für reichlich Membranauslenkung am M500. Die straffe Kontrolle macht gleichzeitig das i-Tüpfelchen aus. Die First Lady des weiblichen Gesangs hat einfach Charme, der ihresgleichen sucht. Ihr »I’m Feeling Blue« offenbart den ganzen Zauber ihrer vokalen Verführung. Hier lässt sich das Motto »nur den Kopfhörer aufsetzen und einfach genießen« perfekt erleben.
Phil Collins' Gesang auf »Tearing & Breaking« glänzt durch die vielstimmige Dubbing-Vertonung. Im Intro tritt er wie ein ganzer Chor auf und singt, als wolle er in seinem Kummer die ganze Welt umarmen, jeden um Hilfe bitten; sein Herzensleid ist unbeschreiblich. Er klingt über den M500 so verblüffend direkt, als stünde ihm die Anteilnahme der Zuhörer tröstend zur Seite. Kleine Impulsspitzen und die knackigen Drumbeats von »Do You Remember« sind das Salz in der Suppe und runden das popmusikalische Gesamtkonzept der CD ab.
In der Hamburg New Blues Band wirken altbekannte Cracks mit. Clem Clempson, Michael Brecker, Chris Farlowe und Maggie Bell gehören zur illustren Schar der Blues-Veteranen, die 2007 in Hamburg eines von vielen Konzerten gaben. Der einstige Colosseum-Frontmann knüpft mit »Sing The Blues For You« und »All 0r Nothing« in Sachen Reibeisenstimme an alte Zeiten an. So schroff und gleichzeitig lieblich – das geht für den Mann aus London wirklich nur nach dem »Alles oder Nichts«-Prinzip. Rauer Blues und feiner Gitarren- und Hammond-B3-Sound passen zum M500 wie die ehrliche Musik zur durchdachten Verwirklichung des KEF-Konzepts.