Gerade bei dem Hören im Nahfeld bewährt sich wieder das Koaxial-Prinzip des »Uni-Q«-Treibers, weil Hochtöner und Mittel/Tieftonchassis beide aus dem gleichen akustischen Zentrum »senden«. Das Ergebnis ist ein konsistenter Klang, der sich stimmig anfühlt. Ein konventioneller Mehrwege-Lautsprecher hat es dagegen sehr viel schwerer, gerade auf diese kurze Hör-Distanz ein zeitrichtiges und somit glaubwürdiges Klangerlebnis zu liefern. Falls Sie die Vision haben, mit den KEF-Minis vielleicht Ihre Arbeit am Rechner leise zu untermalen, muss ich Bedenken anmelden. Während die Musik lief habe ich ständig mein Tun unterbrochen, die Computermaus beiseite gelegt, den Bürostuhl etwas zurückgerollt und lauter gestellt, weil die LSX II so gut geklungen haben und ich mehr davon hören wollte. Definitiv kein Produktivitäts-Booster, diese KEFs. Als reine PC-Lautsprecher wirken sie bisweilen gar »übermotorisiert«, weil die zentralen kabellosen Streaming-Funktionen der LSX II nicht abgefordert werden, wenn man vor dem Bildschirm sitzt und direkten Zugriff auf das Musikangebot hat. Andererseits unterstreicht jene überzeugende Performance auf solchem Nebenschauplatz die Flexibilität dieses vielseitigen Audio-Systems.

Anwendung 3: Streaming

Die Kernaufgabe der LSX II ist und bleibt das Streamen von Musik, verbunden mit der Bedienung über Smartphone oder Tablet. Neben Bluetooth als direktem Zuspiel-Kandidaten von Smartphone, Tablet, PC oder Mobilplayer gibt es ein Füllhorn an Unterstützungen für Wireless-Musik via eigenem Netzwerk, die auch eine gesteuerte Mehrraumbeschallung sowie Sprachsteuerung einschließt. Im Angebot sind Airplay2, Chromecast, UPnP, Internetradio, die Musikdienste Spotify und TIDAL über deren Connect-Apps plus Qobuz, Deezer, Amazon Music. Eine Roon-Integration funktioniert bereits via Airplay2 und USB, harrt aber noch der offiziellen Freigabe und damit einhergehend der qualitativ optimalen Integration gemäß des Roon`schen RAAT-Protokolls. Hier ist KEF von der Arbeitsgeschwindigkeit der entsprechenden Abteilung der amerikanischen Musik-Management-Software abhängig. Mit diesem laut Hersteller für Herbst avisierten, dann komplettierten Portfolio an Streaming-Optionen zeigt sich das KEF LSX II-System auf überragende Art ausgestattet. Es gibt die volle Punktzahl für Konnektivität und Funktionalität.

Meinem üblichen Testprozedere via Roon derzeit noch beraubt, bediene ich mich für das Evaluieren im dezidierten Hörraum der direkten Qobuz-Unterstützung über die App der LSX II. Jene befinden sich jetzt auf meinen bewährten ikonischen Universal-Lautsprecherständern Solidsteel SS-5 mit Wandabstand von rund 50 Zentimetern nach hinten und 80 Zentimetern zur Seite. Die Bassunterstützung durch Wand und Boden fällt infolgedessen mager aus, dafür gewinnen Präzision und Tiefe des Raums. Es ist immer ein Abwägen der Optionen, so dass sich individuelles Experimentieren bezüglich Standort und Equalizer auf jeden Fall lohnt. Unterschiedliche Präferenzen der EQ-Einstellungen lassen sich in der App abspeichern. Für die Verbindung der Boxen untereinander reicht in meinem Setup wie schon am Rechner das beigelegte »Inter-Lautsprecher-Kabel« von 3-Meter-Länge. Für größere Entfernungen offeriert KEF ein mit den Spezialisten von Chord entwickeltes K-Stream-Kabel in 8-Meter-Länge. Grundsätzlich kann jede handelsübliche Cat5/Cat6-Ethernet-Type eingesetzt werden, nur hochwertig sollte sie sein. Tatsächlich bietet die Verbindung der LSX-Boxen untereinander per Kabel klangliche Vorzüge: es klingt straffer, farbstärker und substanzieller, als wenn eine strippenbefreite Verbindung am Werk ist. Durch Umschalten in der KEF-App läßt sich dieser Zugewinn leicht dingfest machen.

Entsprechend verkabelt zeigen die LSX II im dezidierten Hörraum ihre Qualitäten. Bei dem live aufgezeichneten Album »Between Us…« von Anouschka Shankar als hochaufgelöster Stream via Qobuz zeichnen sie eine weite und tiefe Bühne, die sauber unterscheidet zwischen dem frontalen Sitar-Spiel und jenem etwas weiter nach hinten gerückten Meister an der Tabla. Durch ihre ausgewogene Klangbalance umschiffen die KEF-Lautsprecher auch die Gefahr, dass die für westliche Ohren gerne leicht schrill bis anstrengend wirkenden Töne der indischen Saiten-Instrumente ein dauerhaftes Vergnügen erschweren. Stattdessen faszinieren die Fingerfertigkeit der Musiker und jene daraus resultierende Hochgeschwindigkeit der Tonfolgen, denn trotz einer auf plakative Effekte verzichtenden Abstimmung können die LSX II sehr expressiv klingen. Wenn das niederländische Metropole Orkest kraft seines üppigen Klangkörpers mit akzentuierter Wucht raumgreifend bollywoodesk zum Einsatz kommt, übermitteln die kleinen Boxen diese Energieschübe mit beachtlichem Stehvermögen. Ich habe zwar etwas mit den EQ-Einstellungen nachgeholfen (Bass auf »Extra«), aber das ist bei dem digital kontrollierten Speaker in meinem 24-qm-Hörraum völlig zulässig. Schließlich stellt dessen Größe für die 115-mm-Töner das akustisch sinnvolle Maximum dar. Solange man nicht versucht zu Hause das »Wacken«-Festival nachzustellen, können die LSX II auch hier ihre Stärken ausspielen, ausnehmend unangestrengt klingen und ihre audiophile Ausstrahlung beibehalten.