Der erste Eindruck erhärtet sich dann auch in diesem Zweikanal-Setup: Die EC Living-Vertreter haben eine sehr langzeitstabile angenehme Charakteristik. Sie verzichten auf spektakuläres Blenden durch eine Überfrische im Hochton und stehen damit bewusst in der Tradition der Klangphilosophie des Hauses Electrocompaniet.
Das kommt naturgemäß der Wiedergabe klassischer Musik zugute, wie sich bei dem sehr authentisch abgebildeten »Violin Concerto No 4« von Wolfgang Amadeus Mozart aus dem Fundus des 2L-Labels zeigt. Diese mit 11289 kbps gewaltige DFF-Datei verarbeiten die Streaming-Lautsprecher klaglos und können darüber hinaus die qualitativen Vorzüge des DSD128-Formats überzeugend präsentieren.
Trotz einer der Darbietung innewohnenden Ruhe und Konsistenz neigen sie nicht zur übertriebenen Beschaulichkeit. Auch Durchzeichnung und Transparenz sind gut gelungen: Beim neuesten Album »Take Me To The Alley« von Gregory Porter wird der warm-bärige Charakter in der Stimme des Ausnahmesängers richtig dosiert und sehr ansprechend dargeboten. Schnell ist klar: Die Qualität der SL 1/L 1-Kombination gerade im mittleren Frequenzspektrum liegt über dem Durchschnitt. Aber gleichsam bekommt auch das Strahlen des Alt-Saxofons das passende Maß an Helligkeit, ohne ins Nervöse zu kippen. Der wuchtige Kontrabass besitzt über die TANA-Speaker vielleicht nicht das letzte bisschen feinstofflicher Differenzierung, macht das musikalische Geschehen aber ausnehmend rund, satt und komplett.
Gerade in Anbetracht der kleinen Abmessungen der Box kann der Bassbereich in puncto Nehmerqualität vollends überzeugen. Beim Tidal HiFi-Stream einer Mainstream-Produktion wie dem Beyoncé-Album »Lemonade« gibt das SL 1/L 1-Paar die teilweise brutal überhöhten Bass-Impulse erstaunlich kraftvoll und uneingeschränkt verzerrungsfrei wieder. Electrocompaniet hat zwar einen begleitenden EC Living-Subwoofer angekündigt, aber unter großstädtischen Wohnverhältnissen kann man beim Musikhören darauf verzichten. Wer allerdings einen weitläufigen Fjord beschallen will, greift sicher gerne zu.
Auch für die fordernsten Musikstile ist der Bassbereich der Kompaktboxen absolut adäquat dimensioniert, vielleicht sogar eher auf der Seite von »reichhaltig« angesiedelt. In der App gibt es zudem die Möglichkeit, diesen Tieftonanteil an die gewählte Aufstellungsform moderat anzupassen, um Überhöhungen durch Mobiliar oder Eckpositionen auszugleichen. Auch lässt sich in zwei Voreinstellungen die Klangcharakteristik für kurze oder längere Hörabstände definieren.
Gegenüber der CD-Qualität von Tidal HiFi geht der Anbieter Qobuz noch einen Schritt weiter: Der französische Dienst streamt sogar hochaufgelöste Files. Den Titeltrack vom Daft Punk-Klassiker »Lose Yourself To Dance« verarbeitet das TANA-Duo auch als HiRes-Datei via Qobuz umgehend und sicher. Die ohnehin exzellente Klangqualität des Albums und die erhöhte Luftigkeit des 24 Bit-Files wird auch über diese kleinen norwegischen Speaker deutlich dargelegt. Deren gutes Auflösungsvermögen offenbart viele der begeisternden Einzelaspekte des Songs: die charakteristische Gitarre von Nile Rodgers, stoisch treibende Drums, einen supersatten Bass und Pharrell Williams' hinreißenden Falsettgesang. Bei diesem unwiderstehlichen Daft Punk-Drive stechen auch die 2 x 150-Watt-Verstärkerleistung und die DSP-gestützten Nehmerqualitäten der Chassis sehr positiv hervor. Denn ich stelle lauter und lauter – und die TANAs gehen mit. Das macht großen Spaß.