Kopfhörer-Komfort hat einen Namen

Gleich zu Beginn des Jahres findet in Las Vegas die weltgrößte Messe der Entertainment-Industrie statt. Von Frankfurt aus gibt es einen Direktflug, der rund 12 Stunden dauert. Nach einer solchen interkontinentalen Reise ist jeder müde, viele sind regelrecht erschöpft. Da der Mensch Erklärungen liebt, hört man am Gepäckband am häufigsten die Aussage, dass es an der Klimaanlage der Fliegers liege oder an der Zeitverschiebung. Damit ist der Fall für die meisten abgeschlossen. Denkste! Wer 12 Stunden neben einem laufenden Wäschetrockner sitzt oder permanent staubsaugt, wird ebenfalls ausgelaugt sein. Lärm und Geräusche machen müde, richtig müde.

Nach der Landung in Las Vegas haben aber auch vollkommen entspannte Passagiere das Flugzeug verlassen. Sie hatten während des Fluges Kopfhörer mit aktiver Lärmreduzierung benutzt. Auch wir hatten einen solchen Kopfhörer von Bose im Dauereinsatz. Im Grunde genommen bietet ein QuietComfort-Modell zwei Leistungen. Zum einen spielt er mit überdurchschnittlicher Klangqualität Musik von mitgebrachten Abspielgeräten und dank der Adapter auch das Bordprogramm, zum anderen sorgt die Acoustic Noise Cancelling-Technik dafür, dass Außengeräusche im exakt definierten Maße ausgeblendet werden. Man fühlt sich nämlich nicht taub wie bei den In-Ohr-Hörern, sondern kann auf Fragen der Flugbegleiter oder des Sitznachbarn in normaler Lautstärke antworten. Die einwandfreie Funktion dieses Systems erfordert in hohem Maße technisches Know-how.

Der neue Bose QuietComfort 15

Wie wird aus einer lauten eine leise Umgebung? Nehmen wird wieder das Flugzeug-Beispiel. Nach dem Start der Triebwerke wird es in der Kabine deutlich lauter. Zum einen dringt das tieffrequente Dröhnen der Düsen vernehmbar bis ins Innere vor. Zum zweiten ist die Klimaanlage direkt mit den Motoren verbunden: Sind diese also gestartet, fährt die Klimaanlage ebenfalls hoch. In einer Boeing 767 wird das Luftvolumen alle drei Minuten vollständig ausgetauscht. Dazu braucht es eine erhebliche, hörbare Umwälzung. Am Bose-Kopfhörer sind innen und außen Mikrofone angebracht, die solche Geräusche aufnehmen. In einer der Muscheln sitzt zudem eine Elektronik, die zu dem aufgenommenen Signal in Bruchteilen von Sekunden das negative Gegenstück berechnet und dieses Signal in Richtung Gehörgang schickt. Was passiert jetzt? Außengeräusch und errechnetes Gegengeräusch treffen sich und löschen sich vollständig aus.

Um es ein wenig verständlicher zu machen, nutzen wir ein Zahlenbeispiel: Stellen wir uns vor, der Lärm besteht aus positiven Werten, die sich permanent ändern: 5, 9, 16, 3, 2, 8, 17 usw. Die Bose-Technik liefert jetzt den passenden Gegenwert: -5, -9, -16, -3, -2, -8 und -17, damit die Summe aus den korrespondierenden Werten jeweils Null = Stille ergibt. Was mit Zahlen sehr einfach funktioniert, wird mit akustischen Informationen zur echten Herausforderung. Sie können sich vorstellen, welcher Rechenleistung es bedarf, ein gegenphasiges Signal zu erzeugen. Doch damit nicht genug, denn wir wollen ja nicht nur in Ruhe im Flugzeug oder Zug sitzen, nein, wir möchten auch Musik hören, und zwar mit Tiefton, den die Technik ja bitte nicht rausfiltern soll. Dazu muss die Elektronik erkennen, was Nutz- und was Lärm-Signal ist. Bose hat jahrelang sehr viel Geld in die Forschung gesteckt, um dieses Problem zu lösen.

Dass es gelungen ist, haben die QuietComfort-Kopfhörer seit ihrem Erscheinen bewiesen. Neben der aktiven, elektronischen Unterdrückung hat Bose fast ebenso viel Zeit und Geld in die passive Abschottung gesteckt. Logisch, Lärm, der gar nicht erst in die Ohrmuschel eindringt, muss auch nicht mehr aktiv gebannt werden. Bose verwendet für die Ohrmuscheln des QC 15 ein neues Material, das sich wie leichtes, feines Leder anfühlt, aber keines ist. Es passt sich hervorragend an den Kopf an und schließt sehr gut ab. Allerdings muss man hier exakt mit der Bügelgröße arbeiten. Das geht sehr leicht, weil eine Rasterung eingebaut wurde. Ist die optimale Passposition einmal gefunden, kann man sie durch einfaches Abzählen der Brückenstufen im Bügel immer wieder schnell einstellen. Erstaunlich ist aber bereits die akustisch abschottende Wirkung, noch bevor »Acoustic Noise Cancelling« aktiviert wird.

Im Gegensatz zum Modell QuietComfort 3, bei dem die Stromversorgung über einen Akku erfolgt, nutzt der QC 15 eine handelsübliche AAA-Batterie. Diese hält 25 Stunden und signalisiert durch den Wechsel der Betriebs-LED von Grün auf Rot, dass man noch rund zehn Stunden Ruhe genießen darf. In unseren Praxistests übertrafen wir die vom Hersteller angegebene Laufzeit um rund 15 Prozent. Mit einem kleinen Schalter wird dann für komfortable Ruhe gesorgt. Das System funktioniert absolut perfekt. Man sollte den Kopf im Flugzeug nur nicht gegen die Seitenwand legen, da die Vibrationen aufgrund von Körperschall sonst sofort wieder hörbar werden.

Bei Nichtbenutzung wandert der QuietComfort 15 in eine schicke, mitgelieferte Verpackung, in der man auch bequem eine Ersatzbatterie unterbringen kann. Der Adapter für die Spezialbuchsen in Flugzeugen liegt freundlicherweise ebenfalls gleich bei. Wie immer ist die Versorgungsspannung der Buchsen für das Bord-Entertainment auch auf diesem Flug so hoch, dass eine Regelung des Pegels nur in großen Schritten möglich ist –  und das zwischen den gefühlten Stufen: »zu leise«, »laut« und »sehr laut«. Pech für alle, die keinen QC15 auf den Ohren haben. Der hat nämlich im Anschluss-Stück des abnehmbaren Kabels einen Level-Schalter, der mit »Hi« und »Lo« bezeichnet ist. Während die »Hi«-Stellung für alle tragbaren Abspielgeräte geeignet ist, muss man im Flugzeug den Schieber auf »Lo« stellen, dann hat man auch hier einen wunderbaren Regelbereich. Ein weiterer Beleg für die Behauptung, dass Bose mit den Ohren der Kunden denkt.

Volle Kraft Lärm voraus – aber ohne uns

Zum Start müssen alle elektronischen Geräte ausgeschaltet werden. Folglich darf man den Take Off in voller Lautstärke erleben. Mit Verlöschen der Anschnallzeichen darf der QuietComfort 15 seinen Betrieb aufnehmen. Während die ersten Getränke serviert werden, genießt man angenehme Ruhe an Bord. Man versteht die Fragen der Stewardess und fühlt sich keineswegs in Isolationshaft. Bevor es mit dem Film losgeht, genießen wir Musik vom iPod.

Alicia Keys neues Album »The Element Of Freedom« ist ein eingängiges Pop-Album. Schon beim zweiten Stück »Love Is Blind« zeigt der Bose seine hervorragende Klangeigenschaften. Er bildet das Klavier zu Beginn perlender ab als der ebenfalls an Bord benutzte Koss Porta Pro. Bei den ersten Tieftonimpulsen zieht der Bose dann ganz davon. Mit Volumen und Kraft kommen die Bässe, die dabei aber kein bisschen dröhnen oder wummern. Wie dieses erstaunliche Niveau zustande kommt, erklärt Bose mit der »Triport Acoustic Headphone Structure«, einer patentierten Technik, die durch eine spezielle Ausformung der Hörmuschel für entsprechenden Druck sorgen kann. Der kommt bei »Doesn´t Mean Anything« genau richtig, während des Refrains beeindruckt der Kopfhörer mit der Übertragung von Frequenzen, die ansonsten guten Subwoofern vorbehalten bleibt. Die zum Vergleich benutzten Hörer von Monster und Koss verabschieden sich an dieser Stelle vollständig, weil sie im direkten Vergleich dünn klingen.

Unser unbeschwerter Genuss bleibt nicht ohne Folgen. Die junge Frau auf dem Nachbarsitz fragt sich, warum der Kopfhörer ein grünes Lämpchen hat. Nach kurzer Erklärung ist ihre Neugierde geweckt – und wir sind den Kopfhörer vorerst los. Neben der Klangqualität, die sie mit »einfach großartig« beschreibt, ist sie vor allem von der »Acoustic Noise Cancelling«-Technik begeistert. Wie kann es sein, dass die Geräusche des Fliegers einfach verschwinden und sie mich trotzdem versteht? Auch das ist mit wenigen Sätzen vermittelt – und wir gehen davon aus, dass Bose einen weiteren Fan für diese Technik gewonnen hat.