Im i-fidelity.net-Hörraum war vor Beginn der Hörtests die hohe Erwartungshaltung an die Lautsprecher deutlich zu bemerken. Von Wilson Benesch erwartet niemand Durchschnitt. Dann beginnt die Horizon mit der Schallwandlung, aber sie tritt nicht im eigentlichen Sinn auf, setzt sich selber nicht in Szene, sondern sie verschwindet und hinterlässt ein Klangbild, das weniger beschrieben als erlebt werden muss. Felix Mendelssohns »Sommernachtstraum« offenbart im Test ein Maß an Detailfülle, das sich nicht in den Vordergrund spielt, sondern eher beiläufig erscheint – als würde man sich im Orchestergraben befinden. Die Ortung der Instrumente, ihre fokussierte Darstellung, die tonale Balance: All das geschieht mit einer Selbstverständlichkeit, die nichts Effekthascherisches an sich hat, sondern einfach hundertprozentig gelingt.
Geoff Castelluccis Interpretation von »Ghost Riders In The Sky« nutzt die Rauminformation der Aufnahme konsequent aus. Die Horizon löst die Begrenzungen des Hörraums einfach auf. Während andere Referenzlautsprecher diesen Eindruck gut simulieren können, scheint er hier real – auch, weil der Nachhall nicht bloß hörbar, sondern in Tiefe und Struktur differenzierbar ist. Erstaunlich ist mit Blick auf die Gehäuseabmessungen die Energieversorgung der untersten Oktave, die mit Wucht und Durchschlagskraft Kopf und Bauch gleichermaßen trifft, um nicht zu sagen verwöhnt. Das besitzt zweifelsfrei klanglichen Ausnahmecharakter.
Roger Waters' »Who Needs Information« wird zur Zeitreise: Die 40 Jahre alte Aufnahme klingt weder nostalgisch noch alt – sondern einfach lebendig am gesunden Limit. Der Sprecher, der Chor, der trockene Bass – alles bleibt in der Abbildung kohärent, so entsteht ein eindrucksvolles Klangbild, das quasi keinen Wunsch mehr offen lässt. Was die Horizon hörbar macht, gelingt nur ganz wenigen Herstellern. Ein Grund dafür ist auch der mit Akribie betriebene Paarabgleich in Sheffield. Man muss sich immer wieder klar machen, dass man bei einem Stereopaar zwar immer zwei identische Lautsprecher sieht, was allerdings längst nicht bedeutet, dass es auch akustisch kongruent sein muss. Während die CD weiterläuft kommt ein weiterer Aspekt zum Tragen: die Feindynamik, mit der sich das Klangbild entfaltet und wieder zusammenzieht, ohne jegliche Kompression oder Betonung.
Ein audiophiler Prüfstein bleibt Sara K.s »Curtain Calls«. Die Horizon demonstriert nicht nur einen kräftigen, tiefen und klar definierten Bass, sondern auch den emotionalen Gehalt des Spiels. Wo andere Lautsprecher sich entscheiden müssen zwischen technischer Präzision und musikalischem Fluss, gelingt es der Wilson Benesch synchron. Claude Debussys »Arabesque« in der jazzigen Interpretation des Jacques Loussier Trios schließlich bringt das Zusammenspiel von Mittel- und Hochtöner auf den Punkt: Der Anschlag ist klar, die Abklingphasen sind sauber gezeichnet, und jeder Beckenschlag offenbart die perfekte Abstimmung der drei Chassis über das gesamte Frequenzband hinweg.