Wer schon einmal aufmerksam über eine HiFi-Messe gelaufen ist, dem dürfte aufgefallen sein, dass Lautsprecher von Wilson Audio erstaunlich häufig in den unterschiedlichsten Vorführräumen stehen. Nicht etwa, weil die Amerikaner selbst möglichst viele Räume belegen möchten. Vielmehr entscheiden sich zahlreiche Hersteller von Verstärkern, Quellgeräten oder Kabeln ganz bewusst für Lautsprecher aus Provo im US-Bundesstaat Utah, wenn sie zeigen möchten, was ihre eigenen Produkte leisten können. Ein größeres Kompliment kann man einem Lautsprecherhersteller eigentlich kaum machen. Dass sich Wilson Audio diesen Ruf über Jahrzehnte erarbeitet hat, kommt nicht von ungefähr. Und ehrlich gesagt kann ich ihn sehr gut nachvollziehen.
Denn auch meine eigene Geschichte mit dem Hersteller aus Utah begann nicht als Autor, sondern lange zuvor als ganz normaler HiFi-Enthusiast. Damals standen bei mir in vergleichsweise kurzen Abständen die unterschiedlichsten Lautsprecher im Wohnzimmer. Manche begeisterten mit ihrem Bass, andere mit ihrer Räumlichkeit oder ihrem Detailreichtum. Irgendetwas fehlte jedoch immer. Entsprechend kurz blieb die Verweildauer vieler Modelle. Das änderte sich schlagartig, als ich mir die erste Sabrina kaufte. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, nicht länger einzelne Stärken oder Schwächen eines Lautsprechers wahrzunehmen, sondern ein stimmiges Ganzes. Nichts drängte sich in den Vordergrund, kein Frequenzbereich wollte besondere Aufmerksamkeit für sich beanspruchen. Stattdessen spielte die Sabrina mit einer Selbstverständlichkeit, die ich bis dahin kaum erlebt hatte. Ebenso beeindruckend war ihre Dynamik. Sie wirkte nie angestrengt, nie komprimiert und verlor selbst bei geringer Lautstärke nichts von ihrer Ausdruckskraft. Genau dieses ausgewogene Gesamtbild sorgte letztlich dafür, dass ich erstmals nicht mehr darüber nachdachte, welcher Lautsprecher als Nächstes kommen könnte. Bis Wilson Audio im Jahr 2020 die Sabrina X vorstellte.
Natürlich fragte ich mich zunächst, ob sich ein bereits so überzeugender Lautsprecher überhaupt noch nennenswert verbessern ließ. Die Antwort fiel deutlicher aus, als mir aus finanzieller Sicht lieb war. Das neue Modell spielte offener, präziser und zugleich kontrollierter als ihre Vorgängerin. Verantwortlich dafür war unter anderem das deutlich steifere Gehäuse aus Wilson Audios X-Material, das Resonanzen nochmals wirksamer reduziert und damit für einen hörbar ruhigeren Hintergrund sorgt. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar: In Provo ruht man sich auf Erfolgen nicht aus. Dort wird kontinuierlich weiterentwickelt, selbst wenn Außenstehende den Eindruck haben könnten, ein Produkt sei längst am Ziel angekommen.