Westminsterlab ist eine noch vergleichsweise junge Marke, wirkt aber in ihrer Herangehensweise bereits erstaunlich entschlossen. Dahinter steht mit Angus Leung ein Entwickler, der nicht aus der klassischen HiFi-Schule kommt, sondern Architektur studiert hat, und zwar in London. Genau dort liegt auch der Ursprung des Namens: WestminsterLab ist weniger Marketing als vielmehr eine Referenz an die ihn prägende Phase. Diese Herkunft lässt sich an den Geräten unmittelbar ablesen. Nicht im Sinne eines bewusst inszenierten Designs, sondern eher als Folge eines konsequenten Weglassens. Angus Leung verfolgt seit jeher eine »Weniger ist mehr«-Philosophie, die sich nicht nur auf die Schaltung, sondern explizit auch auf das Industriedesign erstreckt. Alles, was nicht zwingend notwendig ist, wird entfernt – funktional wie visuell.
Und genau hier wird es interessant. Das Design des Omne ist so extrem schlicht, dass sogar Bauhaus oder britisches Design dagegen verspielt wirkt. Auf den ersten Blick könnte man ihn dabei auch problemlos für eine reine Endstufe halten. Es fehlt schlicht alles, was ihn eindeutig als Vollverstärker ausweist. Das ist die wahre Kunst von Design: mit fast nichts trotzdem einzigartig zu wirken. Der Omne führt diesen Ansatz konsequent weiter. Keine gestalterischen Ablenkungen, keine dekorativen Elemente, keine visuelle Dramaturgie. Stattdessen eine fast schon irritierende Ruhe, die sich nicht aufdrängt, sondern einfach da ist.
Schon beim Auspacken kippt die Wahrnehmung dann allerdings ein Stück weit. 35 Kilogramm für ein Gerät dieser Größe wirken zunächst wie ein Rechenfehler, bis man den Omne das erste Mal wirklich anhebt. In meinem Fall ging es direkt weiter ins kleine Fotostudio, wo Deckel und Bodenplatte entfernt wurden – beide übrigens aus sauber verarbeitetem Carbon gefertigt. Spätestens in diesem Moment wird klar, woher dieses Gewicht stammt. Der Blick ins Innere überrascht. Nicht wegen einzelner spektakulärer Bauteile, sondern wegen der Konsequenz, mit der hier aufgebaut wurde. Auf der Unterseite sitzen vier separate lineare Netzteile, realisiert über ebenso viele Ringkerntransformatoren. Was zunächst wie eine klassische Mehrfachversorgung aussieht, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als deutlich feiner aufgeteiltes System. Insgesamt stehen 18 getrennte Versorgungszweige zur Verfügung, die jeweils einzelnen Baugruppen zugeordnet sind.