Die Anforderungen an ein analoges Laufwerk sind vermeintlich trivial, geht es doch »nur« darum, eine Schallplatte gleichmäßig zu drehen und einen störungsfreien Arbeitsplatz für die Kombination aus Tonabnehmer und Tonarm zu bieten. Nun ist es aber so, dass der eigentliche Abtastvorgang, also das mechanische Auslesen der in der Rille gespeicherten Informationen, sich in allerkleinsten Dimensionen bewegt, die man kaum visualisieren kann. Und weil Tonarm und Laufwerk dazu in einem fast schon absurden Größenverhältnis stehen, wird auch verständlich, dass selbst kleinste Störungen den Abtastvorgang beeinflussen.

Die Aufgabe lautet deshalb, ein möglichst »ruhiges« Laufwerk zu entwickeln, also Störungen durch Schwingungen gar nicht erst entstehen zu lassen. Um das zu erreichen, muss man eine ganze Menge beachten. So ist Querschnittswissen aus dem Maschinenbau, der Feinwerk- und Schwingungstechnik, der Materialkunde und nicht zuletzt der Elektrotechnik gefragt. In Anbetracht dieser unterschiedlichen Disziplinen erschließt sich einem auch, dass dafür weder ein spezifischer Ausbildungsberuf noch ein Studium existieren und auch nie existiert haben. In den Hochzeiten der Analogspieler, als es keine konkurrierenden Medien gab, war das kein Thema, denn die großen Hersteller beschäftigten kompetente Teams mit Fachkräften aus den verschiedenen Sparten, die die  Plattenspielern gemeinsam entwickeln. Das hat sich drastisch verändert.

So gibt es zwar auch heute noch ein paar Firmen, die für aktuelle Verhältnisse hohe Stückzahlen produzieren, aber selbst die bewegen sich innerhalb der Nische »Analog«. Diese Nische erfreut sich zwar eines gesunden Wachstums, wie die stetig steigenden Verkaufszahlen von Schallplatten belegen, bleibt aber in Relation zu den sonstigen aktuellen Medien überschaubar klein und meilenweit von einstigen Stückzahlen entfernt. Heute kommt analoges Equipment vielfach von Manufakturen, die von Quereinsteigern und Autodidakten gegründet wurden, die sich voll und ganz der analogen Sache verschrieben haben und ihre jeweils eigene Sicht der Dinge einbringen. Das sind »Analogverrückte« mit ganz verschiedenen Berufen, da gibt es zum Beispiel einen Doktor der Chemie, einen Philosophieprofessor, Berufsschullehrer und Fertigungsleiter, um nur ein paar zu nennen. Zu diesem Kreis gesellt sich jetzt Jörg Wagner von Wagner Audio. Er ist im »richtigen« Leben Bankkaufmann und passionierter Pianist und wird bei seinem Analog-Projekt von Karlheinz Vogler unterstützt. Die beiden Herren hören völlig unterschiedliche Musik, was der Sache absolut dienlich ist, da eine spezifische Ausrichtung unterbleibt.

Das Testmodell des Concerto Grosso war mit drei Tonarmbasen bestückt. Für Autor Helmut Rohrwild versteht sich das nicht als Angebot, sondern als Verpflichtung.