Wissen Sie, was ein Simple- oder Dumb-Phone ist? Der Name klingt zunächst nach einem Mobiltelefon für Menschen, denen ein Smartphone zu kompliziert ist. Doch die Zielgruppe wächst längst in eine andere Richtung. Immer mehr Smartphone-Besitzer erkennen, dass der einzige verlässliche Rekord ihres Lebens eine stetig steigende Bildschirmzeit ist. Und weitaus schlimmer ist dabei die Erkenntnis, dass dessen Erreichen erstaunlicherweise weder Glück noch Zufriedenheit garantiert. Das Gegenteil ist der Fall. Heimtückisch finde ich dabei vor allem, was die permanente digitale Ablenkung mit den Alternativen macht. Beim Zugfahren einfach aus dem Fenster schauen? An der Supermarktkasse andere Menschen beobachten? Im Restaurant miteinander sprechen, ohne dass nach drei Minuten jemand das Telefon zückt? Selbst Musikhören ist häufig nur noch eine von mehreren parallel laufenden Tätigkeiten: Ein Titel wird angespielt, übersprungen, in eine Liste geschoben, geteilt oder vom Algorithmus gegen den nächsten ausgetauscht. Zugang zu nahezu allem zu haben bedeutet eben nicht automatisch, sich mit etwas intensiv zu beschäftigen.
Und genau an diesem Punkt kommt eine silberne Scheibe ins Spiel, deren baldiges Ableben bereits vor geraumer Zeit verkündet wurde. Die Compact Disc besitzt nämlich eine Eigenschaft, die im Zeitalter unbegrenzter Auswahl beinahe luxuriös geworden ist: Sie begrenzt die Möglichkeiten. Ein Album wird ausgesucht, aus der Hülle genommen, eingelegt und gehört. Im besten Fall von Anfang bis Ende. Vincent scheint an diese Form des kultivierten Musikgenusses ebenfalls noch zu glauben. So ist der neue CD-600 ausdrücklich als reiner CD-Spieler konzipiert worden. Dank seiner Digitaleingänge kann er allerdings zusätzlich als D/A-Wandler für externe Quellen dienen.
Wer Vincent-Komponenten aus früheren Jahren kennt, benötigt für die familiäre Zuordnung der beiden 600er keine Lupe. Die dreifach gegliederte Frontgestaltung ist ausdrücklich als Hommage an die erste Generation der Solidline gedacht. Besonders eindrucksvoll gelingt das beim Vollverstärker. Sein Zentrum bilden zwei beleuchtete VU-Meter, deren Zeigerbewegungen diese süchtig machende Form mechanischer Unterhaltung bieten. Natürlich braucht man sie zum Musikhören ungefähr so dringend wie einen Sekundenzeiger an einer Armbanduhr. Aber verzichten möchte man auf sie keinesfalls, zumal sich die Farbe der Beleuchtung vierfach anpassen lässt.. Die Front des SV-600 ist klar gegliedert: Links sitzt der Eingangswahlknopf, rechts der Lautstärkesteller. Unterhalb der Pegelanzeiger befindet sich der Netzschalter, während separate Taster für Analog/Digital sowie die beiden Lautsprechergruppen A und B die Front komplettieren. Letztere lassen sich unabhängig voneinander aktivieren. Mit 430 Millimetern Breite, 150 Millimetern Höhe und 448 Millimetern Tiefe beansprucht der SV-600 den üblichen HiFi-Stellplatz in der Breite, verlangt wegen seiner Tiefe und vor allem aufgrund seines Gewichts von 21,9 Kilogramm aber nach einem soliden Stellplatz.