Die musikalische Wahrheit entscheidet sich zumal mit der Dynamik. Was Kompressionsfreiheit wirklich bedeutet, das weiß man erst, wenn man einen Lautsprecher hört, der sie beherrscht. Bei der »Frau ohne Schatten« von Richard Strauss sitzen mehr als hundert Musiker im Orchestergraben, inklusive Windmaschine, Schlagwerk und zwei Celestas. Der Live-Mitschnitt unter Christian Thielemann, natürlich aus der Wiener Staatsoper (Orfeo), fängt die immense dynamische Spanne recht gut ein. Wenn das üppig besetzte Blech aufdreht, merkt man, dass die Liszt richtig laut kann und auch die im Saal manchmal ohrenbetäubenden Fortissimi authentisch wiedergibt, ohne im Geringsten dicht zu machen. Natürlich bedarf es dazu angemessener Elektronik, wobei mir der Wirkungsgrad der Liszt recht gut erscheint, die meisten Amps dürften mit ihr gut zurechtkommen.

Dynamik heißt aber auch ...

… die Komponente muss leise können. Mit seinem groß besetzten Orchester erzielt Strauss auch im Piano die apartesten Farbmischungen und filigrane Klänge, so zum Beispiel, wenn gegen Ende die sphärischen Töne einer Glasharmonika wie flüssiges Silber im Raum schweben. Gerade hier, und durchgängig auch bei Streichermusik, stelle ich zudem fest, wie harmonisch der Lautsprecher abgestimmt wurde. Auch in problematischeren Aufnahmen kommt es nie zu Lästigkeitseffekten in den Höhen oder im Präsenzbereich. Vermutlich war Peter Gansterer auch hier die Musikalität wichtiger als ein glatter Frequenzschrieb.

Der Namenspatron gehört natürlich auch gehört: Der Steinway, auf dem Arcadi Volodos »Vallée d’Obermann« von Franz Liszt spielt (Sony), steht aus den genannten Gründen im Bass sonor und säulenfest da, im natürlichen Nachhall verschwebt ein immenses Obertonspektrum farbig und überwältigend klar. Die Aufnahme offenbart zudem, dass der Lautsprecher die ganze Klaviatur bruchlos und tonal völlig einheitlich wiedergibt. Den Entwicklern ist auch die Verblendung der Register überzeugend gelungen.

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