Wenn Stax als renommierter Traditionshersteller ein auffallend preisgünstiges Modell nebst passendem Verstärker auf den Markt bringt, wirkt das in turbulenten Zeiten wie diesen beinahe wie ein Alarmsignal. Doch diese Öffnung für erschwingliche Preisregionen muss nicht unbedingt Kopfzerbrechen bereiten, denn ein solcher Vorstoß ist keine Premiere. Bereits im Jahr 1982 wagten sich die Verantwortlichen mit dem Kopfhörersystem SR-84 in nachgerade studentische Budgets vor. Hinter dieser Bezeichnung steckte ein damals neu für etwa 650 D-Mark erhältliches Paketangebot, bestehend aus dem Kopfhörer SR-80 und dem Speiseteil SRD-4, das 1991 als »SR-84 Gold Set« – umgangssprachlich auch »Lambda Junior« genannt – neu aufgelegt wurde. Das aktuelle Einsteiger-Bundle und sein historisches Vorbild sind allerdings nur bedingt miteinander vergleichbar, denn beim SR-80 handelte es sich um einen Elektret-Kopfhörer. Diese Variante elektrostatischer Kopfhörer benötigt keine externe Bias-Spannung, da ihre Membranfolie polarisierte Dipole enthält und dadurch quasi-permanent geladen ist.

Für mich persönlich hat die Beschäftigung mit der neuen Einstiegsofferte dennoch eine besondere Note, denn ich war viele Jahre lang glücklicher Besitzer eben dieses SR-84 Gold Set. Es eröffnete mir damals Horizonte jenseits des Boxenklangs und veränderte Erwartungen, besonders hinsichtlich der Transparenz und Musikalität des Klangbilds. Aus heutiger Sicht stellt sich mir unwillkürlich die Frage, wie sich der SR-X1 innerhalb der Vielzahl mittlerweile verfügbarer Premium-Kopfhörer profilieren kann. Fest steht, die seit 1963 unter dem Firmennamen Stax angebotenen Kopfhörer – vom Hersteller selbst als »Ohrlautsprecher« bezeichnet – begegnen heute einem völlig veränderten Marktumfeld. Dazu gehören Erwartungen jüngerer Klientel, die vorwiegend von mobilen Lösungen samt deren kabelloser Konnektivität geprägt ist, sowie eine nie da gewesene Angebotsvielfalt im High-End-Segment.

Den SR-X1 betreffend will Stax der starken Konkurrenz im erschwinglichen Premiummarkt mit klassischen Werten einer Traditionsmanufaktur begegnen. Dazu gehören die Verwendung ausgesuchter Materialien und akribisch kontrollierte Produktionsprozesse, die nach wie vor viel Handarbeit eines hochqualifizierten Teams erfordern. Zudem kann Stax in Jahrzehnten erworbene Expertise in die Waagschale werfen, wobei sich die Japaner seit den späten 80er-Jahren wieder ausschließlich mit der Entwicklung und Fertigung elektrostatischer Kopfhörer und passender Treiberverstärker befassen – zuvor hatte Stax einige Jahre lang unter anderem auch Verstärker, D/A-Wandler und CD-Player gebaut. Die grundlegenden technischen Merkmale der Kopfhörer sind indes über die gesamte, teils recht bewegte Firmenhistorie hinweg eine Konstante gewesen. So setzen die Ingenieure auch beim SR-X1 auf ein offenes Gehäuse, um Kompressionseffekte zu vermeiden. Variierende Wandstärken sollen dabei das Resonanzverhalten optimieren.