Mir ist kein klassischer HiFi-Hersteller audiophilen Zuschnitts bekannt, der sich jüngst so stark ins Gespräch gebracht hat wie Soulnote. Die Marke wurde zwar schon 2004 gegründet, ist aber nach zögerlichen Anläufen erst seit der High End 2022 außerhalb Japans und Asiens präsenter und somit in das Sichtfeld vieler hiesiger Interessenten gerückt. Durchgängiges Lob von Presse, Fachhandel und Branchenkennern für die Komponenten von Soulnote machen auch mich neugierig: Was ist dran an der Soulnote-Magie?
Da kommt es gerade recht, dass die Firma ihre Produktlinien 0, 1 und 2 in neuer Version offeriert. Im Zuge dessen darf sich aus jener überarbeiteten Serie 1 der bei 4.490 Euro eingepreiste Vollverstärker A-1 ver.2 in meinem Hörraum beweisen. Bevor wir aber dem Gerät die konkrete Aufmerksamkeit zollen, bedarf es mehr als einer Handvoll erläuternder Worte zum Hersteller und dessen Philosophie. Denn wie es sich für eine sogenannte Kultmarke gehört, macht Soulnote einiges anders als die Wettbewerber. Das beginnt beim Produktionsstandort. Man fertigt – im Gegensatz zu so manchen japanischen Branchengrößen – weiterhin im Land der aufgehenden Sonne. Details entnehmen Sie bitte der Reportage, in deren Rahmen i-fidelity.net nicht nur das Stammhaus des Soulnote-Mutterkonzerns CSR nahe Tokio besuchte, sondern sich auch in der Präfektur Iwate im früher für Marantz tätigen Werk von der dort kulturell etablierten Sorgfalt und Qualitätsorientierung überzeugen konnte.
In Japans Hauptstadt findet die Entwicklung statt, die seit 2016 von Hideki Kato geleitet wird. Unter seiner Führung verfolgt Soulnote eine Philosophie, die sich gravierend von den Ansätzen der meisten HiFi-Hersteller unterscheidet. Die erste Kernaussage: Beste technische Daten stehen nicht in einem Kausalzusammenhang mit bestem Klang. Weswegen die Geräte von Soulnote ausschließlich nach Gehör entwickelt werden – und was naturgemäß länger dauert als das Erreichen vordefinierter Messwert-Ziele. Die begleitenden Messungen dienen lediglich dem Erkenntnisgewinn und der Sicherstellung einer Serienkonstanz, nicht als Qualitätsbeleg. Dieses Vorgehen erschwert die Position von Soulnote im Markt durchaus. Denn es gibt potentielle Kunden, die auf Basis möglichst niedriger Werte beispielsweise für Verzerrungen ihre Kaufentscheidung treffen. Laut Soulnote-Mastermind Kato ist das der falsche Weg. So mancher hart gesottene Datenfetischist mag jetzt in empörte Schnappatmung verfallen, aber es kommt noch schlimmer. Vielmehr besteht nach Ansicht von Katosan die Wahrscheinlichkeit, dass bestimmte hochgezüchtete Parameter die Klangqualität verschlechtern! Diese Argumentationslinie hat er in mehreren Schriften verewigt, die es sich zu lesen lohnt.