Wie kann das sein, dass ein Stromkabel so klar auflöst und zugleich soviel Klangsubstanz verströmt? Es ist, siehe oben, seine sensationelle Störungsfreiheit. Wenn danach auch die leistungshungrigen M1200-Endstufen von PS Audio mit den 680P spielen, vertieft sich das Bild. Wieder überwältigt mich die sonore Attacke in den Klavierbässen, ihre körperhafte Rundung, die Schnelligkeit, die Sauberkeit der Abbildung! In den Höhen zähmen diese Kabel sonst öfters zu vernehmende Schärfen oder Bissigkeiten. Das lässt bei aller tonalen Sonorität die Räume luftiger wirken und vermittelt Atmosphäre, Volumen und Dreidimensionalität.
Nun zu den analogen Interconnects. Ich verwende das symmetrische 680i mit vernickelten Neutrik-Steckern. (Die RCAs haben hauseigene, vergoldete Stecker mit praktischer Spannzangenmechanik.) Die koaxialen Silber-Gold-Zwillingsleiter werden verdrillt und doppelt geschirmt. Wie bei den Geschwistern umfasst ihr Dielektrikum drei Lagen einer Kombination aus DuPont-Teflon und PEEK. Das ist ein in der Raumfahrt verwendetes Polymer mit exzellenten mechanischen und elektrischen Eigenschaften. Ravels zweite Suite aus Daphnis et Chloe verströmt ein Maximum an Orchesterfarben, und Herbert von Karajan mischt sie für meine Ohren am subtilsten an. In klaren Primärfarben wie in subtilen Mischtönen leuchtet der Sonnenaufgang, die Kaskaden der Klarinetten sprudeln förmlich, die Flötenspitzen glitzern und die Streicherlasuren spannen einen weiten Horizont auf. In räumlicher Hinsicht fällt diese Aufnahme, typisch für die frühe Digitaltechnik, nicht optimal aus. Mit den Siltechs aber klingt sie weniger flach. Sie stellen die Berliner Philharmoniker auf eine Bühne, die weiter in die Tiefe reicht als mit anderen Verbindern.
Die 680L sind mit hochwertigen, rhodiumüberzogenen Siltech-Bananas konfektioniert. Trotz dreifacher Isolierung bleiben die Kabel flexibel und lassen sich problemlos verlegen. Nicht wenige Kabelmacher verzichten beim Lautsprecherkabel auf die Schirmung. Hier fließen derart starke Ströme, sagen sie, dass etwaige Einstreuungen gar nicht ins Gewicht fielen. Aber gerade darum, betont Rynfeld, sei es notwendig, die Emissionen des Speakerkabel selbst zu dämpfen. Ansonsten würde auch ihr Magnetfeld in die Anlage einstreuen. Auch die 680L sind daher doppelt geschirmt, und zwar in Form der sogenannten »Floating Shield Technology«. »Fließend« heißt der Schirm, weil er auf beiden Seiten nicht geerdet ist. »Erdung braucht man nicht«, erwidert Rynfeld lakonisch meine verwunderte Nachfrage.
Vermutlich hat er recht. Der mit den 680L erzielte Klangfortschritt unterstreicht das nachdrücklich. Weiter nämlich geht es in Richtung Realismus und Natürlichkeit. In Mahlers dritter Symphonie (Concertgebouw, Riccardo Chailly, Decca SACD) grollen Kontrabässe lebensecht und körperhaft, und leiseste Schläge auf die große Trommel schwingen gerade noch hörbar im Saal aus. Unfassbar naturgetreue Beckenschläge sprühen ihre Fontänen weit in den Bühnenraum hinein. Tonal stelle ich auch hier die leichte und mir sehr willkommene Zurückhaltung im Diskant fest. Dabei vermitteln die Siltechs eigentlich nicht weniger Höhenenergien als hellere oder analytischere Komponenten. Sie stellen sie nur stressfreier, runder, auf ein breiteres sonores Fundament gestützt und mit viel Schmelz in den Mitten dar.
Bei aller tonalen Fülle sind die Classic Legends keine Schönfärber. Vielmehr fächern sie, die enthusiastische Realisten, auch das ganze Spektrum komplexer Klänge, z.B. große Orchester, weiträumig auf. Obertonreich vermitteln sie die individuellen Klangfarben der Instrumente, lassen sie die feinsten Zwischentöne und atmosphärischen Schichtungen zum Erlebnis werden. Aller Erdenschwere ledig schweben die Streicher des Amsterdamer Eliteorchesters durch das Concertgebouw, wenn Bernard Haitink Debussys Prélude à l’après midi d’un Faune musiziert: Wolken, so haptisch, dass man meint, hineingreifen zu können. Und so ätherisch zugleich, dass man sie duftgleich zu schmecken glaubt. Solche Eindrücke bestätigen sich mit dem gleichfalls im Portfolio enthaltenen Digitalkabel aus der 380er Serie.