Ob multifunktionaler Streaming-Speaker oder komplexes Sound-Setup aus vielen Einzelkomponenten: Alle Digital-Audio-Wiedergabesysteme oberhalb von Bluetooth gehen eine Verbindung via Netzwerk ein, sind zwangsläufig mit dem Internet vermählt. Dazu stehen sie in Kontakt mit einem vorhandenen Router, der vielfältige Aufgaben erfüllt, seinerseits aber auch Limitierungen hat. Beispielsweise die Anzahl an Ethernet-RJ45-Ports, welche für umfangreiche Media-Setups zu knapp bemessen sind. Hier hilft ein externer Switch, der als Zugangs-Multiplikator fungiert.

Diese Aufgabe ist im Rahmen einer IT-Installation von komplexer Natur. Der Switch stellt die erforderten Zugriffe der an ihm ankernden Geräte sicher, puffert, reorganisiert und verteilt die Daten an die richtigen Adressaten. Alles, was an Informationen zum Streamer, Server, NAS, Computer und DAC gelangt, muss über diese Schwelle. Indem er die Kommunikation unter den Komponenten organisiert, den Datenverkehr regelt und im Idealfall die Audio-Vorgänge vom sonstigen vielfältigen Internet-Datenverkehr separiert, nimmt ein Network-Switch als erste Instanz nach dem Router eine relevante Position im digitalen Musiksystem ein. Und das haben wir schon im analogen HiFi gelernt: Was am Anfang fehlerhaft oder mit Störungen behaftet übermittelt wird, lässt sich am Ende kaum mehr entsprechend kompensieren. Deswegen gilt es, eine gewisse Obacht bereits zu Beginn der digitalen Übertragungskette walten zu lassen. Eben da, wo der Switch regiert.

Leider stehen audiophile Ansprüche bei derartigen Geräten grundsätzlich nicht auf der Agenda. Herkömmliche IT-Elektronik für Consumer-Anwendungen folgt der Prämisse »Größtmögliche Funktionserfüllung bei geringstem Materialeinsatz«. Dieser Fokus auf einfachste Konstruktion und günstigste Bauteile betrifft nicht nur handelsübliche Network-Switches, sondern genauso Router, Netzwerk-Festplatten oder Computer. Daraus resultieren Problemfelder, die beispielsweise in der Übermittlung einer Text-Datei keine Rolle spielen, sich auf die Wiedergabequalität einer digital basierten hochwertigen Musikanlage jedoch negativ auswirken. Denn hier muss in die analoge Welt gewandelt werden – und dort werden etwaige Abweichungen vom Ideal hörbar, die dem D/A-Konverter am Ende des Signalweges die Aufgabe merklich erschweren. Als Hauptunruhestifter haben sich herausgestellt: Rauschen durch überwiegend hochfrequente Störfelder sowie das Auftreten von Jitter, also dem Zeitfehler, der die Verzerrung eines digitalen Signals darstellt.

Hier setzt der Bonn N8 Pro von Silent Angel an. Die chinesische Marke gehört als Tochterunternehmen zum Netzwerkspezialisten Thunder Data, weswegen den dortigen Ingenieuren die zu bearbeitenden Problemfelder wohlbekannt sind. Ihre Expertise haben sie bereits beim Basismodell Bonn N8 bewiesen, mit dem Silent Angel anno 2019 den Markt betrat und das Thema »Audiophile Switch« zum moderaten Kurs von 449 Euro in das Bewusstsein der klanginteressierten Öffentlichkeit rückte. Der jetzt nachgelegte Bonn N8 Pro ist keineswegs bloß eine »aufgebohrte« Version. Vielmehr wurde er auf Grundlage der gesammelten Erkenntnisse mit dem Bonn N8 komplett neu entwickelt. Die Pro-Type ist ab 1.099 Euro in zwei Varianten erhältlich: ohne und mit separatem Word-Clock-Input, der mit 300 Euro Aufpreis zu Buche schlägt und durch den Zusatz »CLK« gekennzeichnet ist. Damit liegt man zwar deutlich über der etablierten Standard-Lösung, erreicht aber noch lange nicht die Sphären mancher Wettbewerber, die ein Mehrfaches für einen audiophilen Switch einfordern. Was im Übrigen bestätigt, dass die Relevanz des Themas in einem High-End-Setup zunehmend erkannt und adressiert wird.