Sofern es überhaupt stattfindet, kann menschliches Denken durchaus an seine Grenzen stoßen. Wobei sich deren Verlauf von Mensch zu Mensch natürlich unterscheidet. Hin und wieder bemüht man seine graue Zellen mit Aufgaben und Wünschen, die auch bei längerer Betrachtung zu keinem Ergebnis führen. Berühmtestes Beispiel ist die »Quadratur des Kreises«, die unmöglich zu lösen ist. Bezogen auf das Thema Lautsprecher, ist inzwischen jedem klar, dass es den einen, den perfekten Lautsprecher nicht geben kann. Mit dieser Erkenntnis scheint jedoch manche Firma den Ansporn aufgegeben zu haben, etwas Außergewöhnliches zu kreieren. Dominiert dann noch die Abteilung Kosten- und Leistungsrechnung die Entwicklung, ist das Resultat oftmals mit fade noch höflich beschrieben. Wer wundert sich dann noch, dass die kluge Kundschaft solche Schallwandler nicht mehr kauft? Wir nicht. Im Gegenteil ist i-fidelity.net immer dann besonders interessiert, wenn ein Hersteller mit einem strategisch durchdachten Produkt auftritt, um sich dadurch Vorteile im Wettbewerb zu sichern.
Die dänischen Marken Raidho und ScansonicHD, die beide zur Dantax Radio A/S gehören, haben diesen Weg mit ihren ausgeklügelten Konstruktionen schon immer beschritten. Bei Scansonics neuer M-Serie geht die Strategie jetzt sogar noch ein Stück weiter, weil sie auch den Preis umfasst. Die Dänen möchten mit dieser Lautsprecherreihe ganz offensichtlich anspruchsvolle Hörer gewinnen, ohne deren Budget über Gebühr zu strapazieren. Das ist nicht einfach, denn wenn immer dieses Unterfangen auf den Fahnen eines Herstellers steht, beginnt die Suche nach den für gewöhnlich notwendigen kostensparenden Kompromissen. Im Kern besteht die Serie aus dem kompakten Modell M15.2 sowie den beiden Standlautsprechern M20.2 und M30.2. Ergänzt wird das Programm durch einen Center- und einen On-Wall-Lautsprecher, damit sind auch Mehrkanal-Anwendungen möglich. Das aus MDF gefertigte Gehäuse der M30.2 gibt es in einer schwarzen und alternativ weißen Ausführung.
Rund 25 Kilogramm bringt der Dreiwege-Standlautsprecher M30.2 auf die Waage. Bevor wir zur Schallwand mit ihren vier Chassis kommen, müssen wir den Blick auf den Rücken der knapp 1,10 Meter hohen Box werfen: Dort finden sich nämlich statt der zu erwartenden Bassreflexöffnung gleich zwei Passivmembranen im Format 12,7 x 22,9 Zentimeter. Dabei handelt es sich nicht um Chassis mit Schwingspule und Magnet, sondern einfach um eine Membran, die in einem Korb eingespannt ist. Diese »Auxiliary Bass Radiator« genannte Konstruktion liefert im Gegensatz zu einer Öffnung im Gehäuse einen saubereren Klang, da es keine Strömungsgeräusche gibt. Warum dieses Prinzip vergleichsweise selten in klassischen Lautsprechern zu finden ist, erklärt der Umstand, dass es deutlich teurer ist als das übliche Bassreflexrohr. Häufiger kommen diese ABRs nur in kompakten Bluetooth-Boxen vor, um trotz kleiner Gehäuse ein Mindestmaß an Bass zu erzielen.