An Kraft mangelt es den Arteras jedenfalls nicht. Sie lieferten im i-fdelity.net-Labor pro Kanal 310 Watt an 8 Ohm und 444 Watt an 4 Ohm. Das sollte den allermeisten Lautsprecher genügen. Der Blick unter die Haube offenbart denn auch einen sauberen Aufbau und kurze Signalwege. Ein groß dimensionierter 515-Voltampère-Ringkerntrafo des Edelherstellers Norotel, reichlich Siebkapazität in Gestalt vier eigens für Quad gefertigter ELNA-Elkos mit je 10.000 Mikrofarad, das alles erscheint zünftig. Klassisch eben. Zwölf Leistungstransistoren von On Semiconductor (vormals Motorola) des speziell für Leistungsamps entwickelten Typs MJL21196 säumen die an den Seiten montierte Ausgangsstufe, jeweils drei von ihnen parallel geschaltet. Letzteres lässt sie alle auch bei großen Lasten innerhalb ihrer Spezifikation arbeiten, ersteres leitet die Betriebswärme optimal an die sauber CNC-gefrästen Kühlkörper nach außen ab. Die Monos können damit als gebrückte Version der Stereoendstufe aus der Artera-Reihe gelten. Diese muss mit dem gleichen Aufbau zwei Kanäle mit Leistung versorgen.

Optisch strahlen die Monos …

… die Kraft des Understatements und zumal Eleganz aus. Mit 32 Zentimeter nehmen sie gut zwei Drittel der üblichen Gerätebreite ein. Mit den 13 Kilogramm Gewicht pro Stück lässt sich gut hantieren. Understatement auch auf der schwarzen Frontplatte aus massivem Aluminium (wahlweise auch in Silber erhältlich): Sie zeigt nur die nötigen Features, den Ein-/Ausschalter und eine schlanke, den Betriebszustand anzeigende Leuchtsäule. Zuerst wundere ich mich über den separat verpackten Glasdeckel. Die Befürchtung, er könnte Resonanzen beisteuern, geht jedoch fehl. Mittels Entkopplungsfüßen liegt er dem Metallgehäuse auf und bändigt durch sein Gewicht eher unerwünschte Schwingungen als dass er welche erzeugte. Vor allem leitet er effektiv die Betriebswärme auch dann ab, wenn man die Geräte stapelt. Auch die Rückseite ist übersichtlich gestaltet. Ein Umschalter ermöglicht die Wahl zwischen den unsymmetrischen Cinch- und den XLR-Eingängen. Quad empfiehlt nachdrücklich, die letzteren zu nutzen. Schließlich ist die Artera konsequent symmetrisch gehalten, symmetrisch habe ich sie folglich verkabelt. Die Polklemmen kommen mit Bananas oder Kabelschuhen gleichermaßen klar. Für die Ausgangsstufe, das betont Quad, wurde eine Verkabelung aus monokristallinem Kupfer gewählt. Woanders verwendet man meist das sogenannte sauerstofffreie Kupfer, das jedoch deutliche Einschlüsse und damit Übertragungswiderstände aufweise, gewiss im Mikrobereich, in der Summe aber hörbar.

Die Artera-Endstufen musizieren schon aus der Kiste weg ansprechend und zeigen gleich, wohin die Reise geht. Weder jetzt noch später lassen sie ungebührliche Ausreißer erkennen. Klar der Maxime der Ausgewogenheit und der Transparenz folgend, opfern sie jedoch nie die Atmosphäre einem seelenlosen Neutralitätsdogma. Nach zwei, drei Tagen Dauerbetrieb mache ich mich an erste Vergleiche. Als erstes fällt mir eine stupende Fähigkeit ins Ohr, den langen Atem der Musik zu reproduzieren. In den epochalen Aufnahmen des Keith Jarrett Trio aus dem Blue Note von 1994 (ECM) dehnt sich manch eine der Kollektivimprovisationen über Standards auf fast eine halbe Stunde aus. Von den harmonischen Exkursionen der Jarrett’schen Intros über die kongenialen Impulse von Gary Peacocks singendem Bass und Jack de Johnettes farbensprühendes Schlagzeug – oft im Grunde auch ein Melodieinstrument! – bis hin zu den ekstatischen Repetitionen und Orgelpunkten auf oft nur zwei Grundakkorden teilt sich der emotionale Sog dieser Musik zwingend mit. Aber auch ihre Struktur wird unaufdringlich erhellt. Die Arteras stellen den Kontrabass als eine Skulptur mit deutlichen, aber sanften Konturen in den Raum und sie wahren die Homogeneität des Klavierklangs über alle Register hinweg. Das pulsiert und swingt, ohne den musikalischen Fluss vordergründig aufzupeppen. Hört man großorchestrale Musik, entgeht einem kein wichtiges Detail. Aber alle Feininformation bleibt immer ins große Klangbild integriert, sie findet ihren angemessenen Ort auf einer stimmig in Breite und Tiefe ausgedehnten Bühne. Rund, gelassen und harmonisch, das sind Attribute, die mir mit zuerst in den Sinn kommen, um die Monos zu charakterisieren.

Dieser Test interessiert sich vornehmlich für die Endstufen. Dennoch sei dem Vertrieb gedankt, dass er mir die zugehörige Vorstufe zur Verfügung stellt, die ich jetzt einschleife. Zuvor hatte ich die Endstufen mit der regulierbaren Ausgangsstufe von PS Audios DSD-DAC direkt beschickt. Der reichlich halb so hohe Artera Pre setzt das minimalistische Design der Monos fort. Für die Lautstärke gibt es keinen Drehregler, vielmehr kann ich sie durch Berühren des Displays steuern. Neben ihm gibt es sonst nur noch zwei Drucktasten fürs Einschalten und für die Quellenwahl. Seine inneren Werte finde ich zudem höchst sympathisch: Eine rein analoge Vorstufe ohne digitale Anschlüsse, ohne USB- oder optische Eingänge; ein Streaming-Modul findet sich erst recht nicht. Aber sonst alles, was eine klassische Vorstufe benötigt, inklusive eines Phono-Eingangs mit Class-A-Eingangsstufe und eines AV-Bypass.