Mittlerweile darf auch ich es erleben. In meinem Hörraum steht, anmutig geformt und in makellosem Klavierlack Schwarz, die S5t Special Edition. Das nachgestellte Prädikat verdankt sich dem deutschen Vertrieb Audio Reference. Dessen Inhaber Mansour Mamaghani war es nämlich, der, vom Konzept der Amerikaner zutiefst überzeugt, diese Spezialedition angeregt hatte. Zwischen dem Topmodell der S-Serie, dem 1,30 Meter hohen Vierwege-Floorstander S7t, und der immerhin 60 Zentimeter hohen kompakten S5m tat sich eine Lücke auf, welche die 112 Zentimeter große S5t schließt: »t« steht für »Tower«, es handelt sich um einen Standlautsprecher für mittlere bis große Räume. Mit zwei Tiefmitteltönern statt der vier der S7t weist er exakt die Bestückung der kleineren S5m auf. Der Unterschied scheint erst einmal nur im 50 Zentimeter größeren Gehäuse zu bestehen. Das Gewicht aber hat sich verdoppelt. Die 43 Kilogramm pro Standbox sind nicht zuletzt einem vorbildlich gedämpften Gehäuse geschuldet.
Das erstaunlichste Feature, das sich alle Modelle der S-Reihe teilen, fällt einem gleich ins Auge: eine Treiberanordnung, wie ich sie noch an keinem Lautsprecher kennengelernt habe. In der oberen (!) Hälfte der Box befinden sich zwei konische Tieftöner, auf deren Staubschutzmembran ein Schachbrettmuster je nach Lichteinfall oszilliert. Das nimmt sich ungemein reizvoll aus, viel wichtiger aber ist die Treiberkonfiguration zwischen den beiden Woofern. Hier erblickt das erstaunte Auge nicht nur eine Kalotte, sondern deren drei. Sie sind senkrecht untereinander in eine kreisförmig ins Gehäuse montierte Schallwand aus Metall eingelassen. In ihrem hornartig nach innen gewölbten Zentrum schaut mich eine 28-Millimeter-Kalotte aus Beryllium selbstsicher an. Darüber und darunter befinden sich zwei weitere, nun von einem Gitter geschützte Kalotten aus TexTreme, einer extrem leichten und mehrlagigen Kohlefaser. Diese beiden Kalotten, und das ist nun wirklich ungewöhnlich, sind keine eigentlichen Hoch-, sondern Mitteltöner. Zumindest bezeichnet Perlisten sie so. Tatsächlich decken sie den Frequenzbereich von 800 bis 4.000 Hertz ab. Darüber hinaus, und nur in einem schmalen Band mit ihnen überlappend, verstrahlt der zentrale Beryllium-Tweeter den vollen Hochtonbereich.
Perlisten nennt dieses zentrale und patentierte Feature »DPC Array«, DPC steht für »Directivity Pattern Control«. Somit leuchtet der Sinn dieser wirklich innovativen Konstruktion rasch ein. Ihr gilt ersichtlich der Stolz der Macher. Die in die Breite nach innen gewölbte Ellipse übt die Funktion eines Waveguides aus. Sie, samt der in Computersimulationen und Hörtests ermittelte Treiberanordnung, dient der Kontrolle der vertikalen Abstrahlung. Sie erzielt eine Bündelung des Schalls, die im Mittelhochtonbereich die frühen Reflexionen von Decke und Fußboden einschränkt. Letztere würden das Klangbild ansonsten empfindlich verunklaren. Die Mitteltonkalotten der Perlisten weisen annähernd das Zehnfache weniger an Masse auf als ein konventioneller Midrange-Treiber von üblicherweise 130 Millimeter Durchmesser. Ein Grund, warum die DPC-Anordnung gerade hier für blitzschnelle Transienten und ungetrübt natürliche Farben sorgt, insbesondere in dem für Stimmen so sensiblen Mittelhochton-Bereich. Zugleich versprechen die Macher eine breite horizontale Abstrahlung. So fällt auch der Sweet Spot nicht allzu klein aus. Wohl schlagen aber unterschiedliche Sitzhöhen zu Buche. Wie sehr das Konzept funktioniert, bemerke ich rasch. Die Höhen leuchten, aber niemals geraten sie ins Grelle, Überbrillante oder gar Harte. Solche anderswo nicht selten zu erleidenden Verfärbungen mögen tatsächlich von den unerwünschten Reflexionen her rühren, wie sie die Direktionalitätskontrolle effektiv zu verhindern weiß. Nicht nur Stimmen, sondern, zum Beispiel, auch Violinen erfahren einen deutlichen Natürlichkeitsschub, erlangen mehr Schmelz.