Eine Kabel muss sich gegen zwei Feinde wehren: zum einen gegen den Verlust im Leitermaterial und zum anderen gegen HF-Einstreuungen von außen. Nehmen Sie zum Spaß mal ein Stück einfachen Draht und halten ihn an den Antenneneingang eines Radios – voller Empfang ist nicht unwahrscheinlich. Derartige Empfangseigenschaften sind bei einer Lautsprecherleitung allerdings nicht erwünscht.
Bei den Leitern setzt Oehlbach auf zweimal zwölf separat isolierte Einzelleiter, die aus sauerstoffarmem Kupfer bestehen. Zusätzlich sind sie noch mit einer leitenden Folie umwickelt. Die Litzen sind verdrillt, um Einstreuungen eine geringere Angriffsfläche zu bieten. Umgeben sind die beiden Leiter übrigens von einer Vielzahl kleinerer Seile, die stark dämpfende Eigenschaften haben. Aus Erfahrung wissen wir, dass dies klanglich sehr wohl relevant sein kann.
Zum Vergleich haben wir uns die typischen Standardleitungen herangezogen, also 2 x 2,5 qmm mit Steg und Bananenstecker-Bestückung, einadrige, an Gartenschläuche erinnernde Kabel, wie sie der ein oder andere Hersteller von Lautsprechern anbietet, und natürlich das bewährte, deutlich teurere HMS Concertato. Knapp 16 Hörbeispiele später entfährt einem i-fidelity.net-Redakteur der Satz: »Wer und warum verkauft eigentlich noch Standardleitungen?« Die Antwort ist banal, denn natürlich ist es eine Frage des Anschaffungspreises und auch des Anspruchs, aber beim Vergleichshören vergisst man das leicht.
Das XXL Fusion Two ist eine neutrale Verbindung, die keinen Frequenzbereich betont. Neutralität ist in sehr hohem Maße gewährleistet. Bei seinem Einsatz merkt man jedoch sehr schnell und unabhängig vom gespielten Material, dass Instrumente und Stimmen sauberer fokussiert werden – das Klanggeschehen wird einfach deutlich präziser. Hier kann auch der Nachhall mancher Aufnahme als Bewertungskriterium herangezogen werden: Bei einfachen Lautsprecherkabeln verklingt eine Orgel, im Raum verbliebene Schallwellen klingen sehr dünn und ausdrucksschwach, das macht keinen Eindruck. Vor allem auch dann nicht, wenn man sich den Originalklang vor Augen beziehungsweise Ohren führt.
Ebenfalls ist am Fusion Two sehr auffällig, dass der Bassbereich weniger ausgefranst tönt, sondern stattdessen mit mehr punktueller Energie übertragen wird. Auch dieser Aspekt schafft Klarheit im Klangbild. Interessant und reizvoll ist auch der Unterschied, der sich mit einer akustischen Gitarre ergibt. Wenn der Musiker mit der Hand über den Hals rutscht, verursacht das Geräusche. Bei Standardkabeln klingt das wirklich störend, weil es sich teilweise wie das schräge Zirpen einer Grille anhört. Mit den Oehlbach-Verbindungen wird die Wiedergabe dagegen glaubhaft. An diesem Punkt kann man sehr deutlich sehen, dass eine Kleinigkeit manchmal in der Lage ist, den Gesamteindruck zu ändern.