Neulich, in einer Ausstellung über die 1980er-Jahre, begegnete ich nicht nur zahlreichen Dokumenten und Objekten aus Gesellschafts- und Kulturgeschichte, sondern auch Teilen meines vergangenen Selbsts. Klar, die gelebte Geschichte ist immer eine andere als die in den Zeugnissen überlieferte. Aber wie merkwürdig war mir zumute angesichts der Telefone mit Wählscheibe, elektrischer Schreibmaschinen oder eines Kettler-Alu-Rads. Wieviel mehr an Gefühlen und Erinnerungen doch in Plattencovern, Filmplakaten und zumal in der Unterhaltungselektronik jener Jahre gespeichert sind, und sei es im Radiorekorder und der C-90-Kassette! Tiefste Vergangenheit, so scheint es, aber zugleich ist sie tief in Leib und Seele eingedrungen.

Jeder HiFi-Enthusiast kennt solche Gefühle. Wer über viele Jahre hinweg am geschätzten Röhren-Amp festhält, bewahrt auch sein Selbst vor allzu viel Wandel. Ich selbst zähle mich zu denen, die die gegenwärtigen Umbrüche in der Welt der gehobenen Klänge neugierig, aber auch ein wenig distanziert verfolgen. Anstatt auf der Streaming-Welle zu reiten, schaue ich lieber vom Strand aus zu, wie die Grenzen zwischen den Geräten, zwischen Streamern, Wandlern, Pres und Amps immer mal wieder neu gezogen werden.

Auch das ist nicht gänzlich neu. An der Frage, wie man es mit Aktivlautsprechern hält, schieden sich lange die Kulturen. Hier die High-Ender und Audiophilen, die ihre Komponenten gern separat und ungern die Verstärkung im Lautsprechergehäuse haben wollten, dort die in ihrem Selbstverständnis ganz auf Sachlichkeit bedachten Studio-Profis. Scheuen die High-Ender vor Aktiven zurück, weil diese sie um die Freude der Auswahl und der Abstimmung von Komponenten bringen?

Auch das verändert sich anscheinend, und so kommt es auch für mich zu einem Debüt: Mit der Nubert nuZeo 11 begegne ich zum ersten Mal eingehender einer Aktivbox. Der mit fünf Chassis bestückte Dreiwege-Standlautsprecher ist der mittlere Vertreter der Serie, in der er von der kompakten nuZeo 4 und der noch größeren, auf dreieinhalb Wegen musizierenden nuZeo 15 gerahmt wird. Das schwäbische Lautsprecherurgestein verbindet mit der Serie ein klares Ziel. Im Zeitalter von LowFi, Bluetooth, Soundbars und dergleichen will man den guten Klang im bezahlbaren Bereich halten und ihn zugleich mit avancierter Konnektivität versöhnen. Wer will und über Nuberts Vorstufe/Controller nuControl X samt X-Remote-App verfügt, kann die nuZeos kabellos beschicken. Nubert hat dafür ein eigenes WLAN-Protokoll entwickelt, das Auflösungen bis zu 24 Bit/192 Kilohertz zulässt. Und er kann die Lautsprecher an den eigenen Hörraum anpassen: Die App ermittelt mit Hilfe des Mikrophons eines iPhone oder, im Falle von Android-Geräten, mit dem von Nubert erhältlichen Einmessmikro die spezifischen Raummoden. Das integrierte DSP passt dann den Frequenzgang an. Da es praktisch kaum einen Raum ohne Dellen nach oben oder unten geben dürfte, kann dieses Feature sehr hilfreich sein. Man mag sich an die 1980er erinnern, als die Verstärker alle noch von Bass- und Treble-Knöpfen geziert oder gar von Equalizern flankiert wurden. Effektiver als die damalige Klangregelung ist die DSP-Methode allemal.