Nach dieser einfachen Start-Konfiguration Rechner/DAC wechsle ich auf ein elaborierteres Setup: Der Roon-Rock-Server beliefert den Streaming-Transport U2 von Lumin. Dieser leitet über seinen für Audio-Zwecke optimierten USB-Port weiter an den Musical Fidelity. Die Internetanbindung erfolgt mittels Network-Switch Silent Angel Bonn N8 Pro CLK. Über den Dienst Qobuz werden Streams eingeflogen. Für diese Hörsession wechsle ich das Filter. Während die ersten sieben dem Standardrepertoire des im M8x DAC verwendeten ESS-Sabre-Chip entsprechen, handelt es sich bei Nummer acht um ein von Musical Fidelity selbst entwickeltes Filter, welches die Oversampling-FIR-Filter des DAC deaktiviert. Hier liegt das Augenmerk auf der Zeitrichtigkeit. Nach meiner Erfahrung ist dieser Fokus absolut zielführend, denn für das als natürlich empfundene Hören ist dieser Faktor wichtiger einzustufen als die unbedingte Frequenzgenauigkeit auf akademischem Level. Filter Nummer 8 führt obligatorisch ein Upsampling auf 352,8 respektive 384 Kilohertz durch. Bei Abtastraten von 705,6 beziehungsweise 768 Kilohertz wird das Upsampling übersprungen. Stattdessen gelangt das digitale Signal direkt in den DAC-Block und umgeht alle verbleibenden Filter, was die Tonqualität nochmals steigern dürfte. Aufgrund von mangelnder Verbreitung derart ultrahoch aufgelöster Dateien ist dieses Feature jedoch von eingeschränktem Nutzwert. Es sei denn, Upsampling-Software wie etwa HQ-Player kommt zum Einsatz. Hier könnte dieses Feature des M8x DAC an Bedeutung gewinnen.
In einer gebräuchlichen Hi-Res-Auflösung (24 Bit/44,1 Kilohertz) läuft inzwischen der Titel »Take A Seat« aus dem jüngsten Album »Daybreak« von Sven Wunder. Die Komposition ist eher untypisch für den schwedischen Musiker, weil sie klar, reduziert und aufgeräumt daherkommt. Der Musical-Fidelity-DAC erfreut durch seine blitzsaubere Transientenverarbeitung, indem er das zentrale Xylophon-Motiv zackig und »kurz angebunden« durchlaufen lässt. Die Fähigkeiten des Digitalwandlers in Sachen Detailauflösung zeigen sich bei dem das zentrale Motiv intonierenden exotischen Flöteninstrument, wo man sehr fein die Unterschiede zwischen mit eingefangenen Anblasgeräuschen und erstrebtem Ton heraushören kann. Oder bei der E-Piano-Passage, die zurückhaltend und sehr nah am Xylophon entlang spielt, aber eben nicht untergeht.
Jene Fähigkeit des M8x DAC, kleinste Aspekte zu servieren, ohne sie unangemessen überzubetonen, zeigt sich auch bei »Misty Shore«. Dieser Song ist typischer für Sven Wunder, greift er doch tief in die Kiste des cinematografischen Breitwandklangs. Der Hörer versinkt förmlich in einem musikalischen Schaumbad, welches bei minder begabten D/A-Wandlern einfach nur opak als undurchsichtiger Schönklang vermittelt wird. Nicht so beim M8x DAC. Hier sind die im weiten Panorama aufziehenden, an und abschwellenden Streicher nicht nur eine amorphe Masse, sondern ein Konglomerat aus Einzelinstrumenten. Sogar eine verschämte Harfe ließ sich am Ende des Motivs entdecken. Mit dem Musical-Fidelity-DAC hören wir die feinen Einzelaspekte heraus – wenn wir wollen. Die Übermittlung der Details torpediert nicht die intendierte Gesamtwirkung der Musik. Das hilft »auf Strecke«: Seine organisch orientierte Charakteristik ermöglicht lang andauernden, weil ermüdungsfreien Musikgenuss.
Bevor ich bei »Still Moorings« tief im kokonhaften Wohlgefühl der Sven-Wunder-Welt versinke, ziehe ich metaphorisch gesprochen den Stecker und höre Toshiyuki Miyama & The New Herd aus dem famosen Sampler »WaJazz: Japanese Jazz Spectacle Vol.1 – Deep, Heavy And Meaningful Jazz From Japan 1968 - 1988«. Der im Stil der Filmmusik eines US-TV-Krimis der 1970er-Jahre arrangierte Musiktitel fordert den Hörer durch scharf akzentuierte Bläser, die der DAC als ebensolche auch schneidend spitz darstellt. Bei »Mago-Uta« von Count Buffalo & The Jazz Rock Band kann der M8x DAC noch einmal sein dynamisches Pfund ins Spiel bringen: Wenn der Schlagzeuger bei 01:21 sehr geradeaus losknüppelt, geht der Wandler stoisch mit und zeigt sein Potential in den Feldern Druck und Dynamik. Spätestens jetzt ziehen sich des Redakteurs Mundwinkel steil nach oben zu einem breiten Grinsen. So macht HiFi Spaß.