Weniger einfach für die Konstrukteure im Hause Musical Fidelity war die Situation beim Tieftöner. Dereinst hatten die BBC-Entwickler im Forschungszentrum Kingwood Warren (Sussex) ein 210 Millimeter durchmessendes Modell mit einer Membran aus Polypropylen ohne weitere Beschichtung, aber in spezieller NAWI-Formgebung entworfen, die von einer Sicke aus PVC umrahmt wird. Daraus resultierte eine hochdämpfende Steifheit ohne »Nachschwinger«, was einem schnellen Ansprechverhalten zugute kommt. Dieser Tieftöner wurde ursprünglich von Rogers gebaut, die als erster Lizenznehmer die LS 5/9 fertigten. In späteren Jahren gab es Versionen vom Chassis-Spezialisten Volt für Graham Audio, welche allerdings nicht 1:1 dem Original entsprachen. Für die hier besprochene Neuauflage hat Musical Fidelity den Treiber gemäß der ursprünglichen Pflichtenheft-Richtlinien nachbauen lassen. Abgestimmt wird der Lautsprecher über ein für die BBC typisches, außerordentlich aufwendiges Regelnetzwerk. Die Trennung der Töner erfolgt bei 2.400 Hertz mit einer Flankensteilheit von 18 dB/Oktave.

Absichtlich dünnhäutig

Das Gehäuse der Musical Fidelity LS 5/9 folgt selbstredend den spezifischen Vorgaben der britischen Monitorphilosophie. Die BBC hatte dereinst in langwierigen Versuchsreihen herausgefunden, dass bei dünnen Wänden aufgrund deren geringer Masse der Schall schneller ausschwingt, was durch eine dezente Bedämpfung über eine leichte Schicht Bitumen unterstützt wird. Das bedeutet für die LS 5/9: Wände aus neun Millimeter starkem Birkensperrholz (»Birch Lynwood«), die über Leisten an den Kanten stabilisiert werden. Staubsicher verpackte Beutel mit Mineralwolle dienen der Bekämpfung stehender Wellen. Jene die Chassis tragende Schallwand wird mit Schrauben am Rahmen fixiert, was eine Übertragung der Schwingungen der Treiber auf das Gehäuse deutlich reduziert.

Im Gegensatz zu einer LS 3/5A ist das Gehäuse belüftet, also mit einer frontalen Reflexöffnung versehen. Diese unterstützt die Basswiedergabe recht breitbandig und erhöht den Wirkungsgrad, der laut Herstellerangabe bei ausgezeichneten 89 dB liegt. Zusammen mit einer pflegeleichten Impedanz von 8 Ohm eignet sich der Lautsprecher für jede Art von Verstärker, auch solchen mit relativ geringer Leistung. Allerdings sollte man sich bewusst sein, dass ein ursprünglich als Studiomonitor konzipierter Lautsprecher nicht nur die Stärken, sondern auch Schwächen der vorgeschalteten Elektronik offenbart. Insofern mag Wattpotential nicht das Kernkriterium sein, Qualität hingegen schon. Optisch hat Musical Fidelity sich für ein Echtholz-Furnier in Kirsche entschieden, dieses paarweise selektiert und sorgsam aufgetragen. Zusammen mit der nüchtern schwarzen Frontabdeckung wirkt der kantige Lautsprecher wie ein klassisches Tonmöbel, das in jeder »Mid-Century«-geprägten Einrichtung bestens aufgehoben ist.