Es war auf der High End 2023: Musical-Fidelity-Eigner Heinz Lichtenegger verkündete nicht nur das Comeback des legendären Verstärkers A1, sondern präsentierte gleichsam seine Version von den mindestens ebenso ruhmreichen BBC-Lautsprechern LS 3/5A. In der Begeisterung über dieses kongeniale Duo (Testbericht hier) ging ein wenig unter, dass Musical Fidelity im gleichen Atemzug auch dem größeren Bruder des britischen Minimonitors ein zweites Leben eingehaucht hat. Jener LS 5/9 soll nun die gebührende Aufmerksamkeit zuteil werden.

Die originale LS 5/9 wurde in den jungen Achtzigern des vorherigen Jahrhunderts innerhalb von vierundzwanzig Monaten bei der BBC entwickelt. Es galt, eine kompakte Alternative zum etablierten Fullrange-Abhörmonitor LS 5/8 zu schaffen. Dessen raumgreifende Abmessungen aufgrund eines Volumens von 109 Litern waren in bestimmten Situationen nicht praktikabel. Für dieses Ziel entwarf man das Pflichtenheft RD 1983/10, aus dem letztlich die LS 5/9 entsprang. Während andere LS 5/9-Verfechter wie etwa Graham Audio spezifische Charaktereigenschaften des Lautsprechers zu optimieren trachten, hält sich Musical Fidelity strikt an diese Vorgabe als technische Basis für ihre Neuauflage.

Umgesetzt wurde das Projekt – wie schon bei der Musical Fidelity LS 3/5A – unter Führung des anerkannten BBC-Monitor-Spezialisten Joseph Szall. Beim Ziel einer möglichst originalen Bestückung konnte der Entwickler von dem glücklichen Umstand profitieren, dass sich der im Original verwendete Hochtöner in einer neuen Fassung noch immer im Portfolio des Fabrikanten Audax befindet. Für Musical Fidelity fertigen die Franzosen allerdings eine Sondervariante mit spezieller Seide. Diese mit 34 Millimeter Durchmesser überdurchschnittlich große Gewebekalotte wurde in ihrer Ursprungsversion zuerst in der LS 5/8 eingesetzt. Ein wichtiger Aspekt war deren hohe Belastbarkeit. In weitläufigen Abhörräumen war diese Frage von lebenserhaltender Relevanz. Die BBC forderte dereinst bis zu 114 dB Schalldruck – was zu hohen Opferzahlen bei den getesteten Kalotten führte. Nur der Audax-Tweeter konnte standhalten. Die kompakte LS 5/9 musste zwar nicht so brachial laut spielen – 100 dB bei 1 Meter Abstand auf Achse waren vorgegeben –, aber eine vergleichbare Tonalität sollte sie schon aufweisen. Deshalb wählten die BBC-Ingenieure aus Kompatibilitätsgründen erneut diesen speziellen Hochtöner. Dessen typisches Lochmuster (»Dispersion Loading Protective Plate«) schützt nicht nur vor mechanischen Zugriffen, sondern bestimmt auch das Abstrahlverhalten.