Erst als ich im Direktvergleich danach Elacs Solano-Standlautsprecher hinzuziehe, offenbart jener, dass im Bassbereich generell mehr geht. Aber das ist kein typisches Vorgehen, welches man als LS 3/5A-Besitzer im Alltag vollführt. Trotzdem gilt es, die Relationen zu beachten. Wenn die Vorlieben bei subsonischer Electronica, heftigem Metal oder wüstem Rap in Genre-gerechten Lautstärken liegen, wird der Hörer auf Dauer mit anderen Anlagen-Konzepten höchstwahrscheinlich glücklicher. Diese Legenden-Verbindung von Musical Fidelity kann zwar alles verarbeiten, aber ihre außergewöhnlichen Qualitäten kommen dort nicht zum Tragen. Fußt meine musikalische Diät hingegen auf Jazz, Klassik, Folk, Blues und Artverwandten, bin ich bei dem Duo A1 plus LS 3/5A nicht bloß auf dem richtigen Weg, sondern bereits zu Hause angekommen.
In meiner genussvollen Zeit mit der Kombination stellte sich heraus, dass man die Gattungsbezeichnung »Nahfeldmonitor« sehr wörtlich nehmen sollte. Natürlich bespielt der Lautsprecher in größerem Abstand auch ein komplettes Zimmer (jedoch mit beschränktem Maximalpegel), aber für ein konzentriertes, optimales Hören ist ein kurzer Abstand unumgänglich. So verkleinerte ich das Stereo-Dreieck sukzessive und landete am Ende bei 1,40 Meter Kantenlänge und winkelte noch stärker ein. Trotzdem hatte ich nie das Gefühl, dass ich von zwei einzelnen Boxen auf anstrengende Art (zu) direkt beschallt wurde. Das Klangbild blieb angenehm, fließend und homogen, was ich auf die grundsätzliche Ausrichtung sowie die enorm ausgeprägte Räumlichkeit und »Unboxiness« der LS 3/5A zurückführe. Selbst bei solch kurzer Distanz befreite sich die Musik auf verblüffende Art von den Lautsprechern. Die beiden perfekt aufeinander abgestimmten, nahe zueinander positionierten Treiber klingen dabei wie eine Punktschallquelle.
Angenehmer Nebeneffekt der Nahfelderfahrung: Einflüsse des Raumes werden gleichsam minimiert. Auch die limitierte Leistung des A1 ist bei diesem Setting kein relevanter Faktor. Der Amp kommt nie an seine Grenzen und wechselt auch nicht in den Class-A/B-Modus, wie er es normalerweise tut, wenn der geforderte Pegel sich dem maximalen Quantum nähert.
Als ich am Ende den A1 gegen meine deutlich teurere Referenzkombination M6si PRE/PRX von Musical Fidelity rücktausche, bin ich verblüfft. Die Transparenz hat zwar zugenommen, aber dieser einnehmende Charakter ist verloren gegangen. Auch klingen die LS 3/5A etwas anämischer. Ich bevorzuge die Lautsprecher eindeutig am weitaus günstigeren A1. Hier zeigt sich wieder einmal, dass nicht das Preisschild, sondern die Synergie der Komponenten der entscheidende Faktor für gelungenes Hörvergnügen ist. Der Musical Fidelity A1 und die LS 3/5A sind einfach füreinander gemacht.