Eigentlich ist das erfolgreiche Plattenspieler-Portfolio von Music Hall stimmig aufgebaut und logisch gestaffelt. Das grundsätzliche Prinzip lautet: Riemenantrieb kombiniert mit Entkopplung der Basisplatte(n) durch Sorbothane-Elemente gemäß der zum Markenzeichen ernannten »Split Plinth Isolation Technology« (SPIT). Je mehr Ebenen, desto besser, desto teurer. So schlicht, so klar. Der neue Stealth hingegen funktioniert völlig anders. Er basiert auf einem Direktantrieb, der in einem einzigen massiven MDF-Gehäuse eingebaut seinen Dienst tut. Die eine Verwandtschaft zu den etablierten Music Hall-MMF-Plattenspielern simulierenden Stufen an seiner Zarge haben nur Zierrat-Charakter.
Auf der diesjährigen High End in München hatte ich die Gelegenheit, Firmengründer Roy Hall nach dem Beweggrund zu diesem neuen Ansatz zu befragen. Hierzu muss man wissen, dass Music Hall eine der wenigen renommierten Audio-Marken ist, die ohne eigene Fertigung agieren. Roy Hall konzipiert zumeist erst die Produkte und sucht dann nach entsprechenden Auftragnehmern, die diese gemäß seiner Vorgaben umsetzen. Auf diese Weise entstehen die Plattenspieler der MMF-Reihe beispielsweise seit 1998 im Hause Pro-Ject. Der Stealth jedoch nicht, wie nach den Aussagen von Roy Hall deutlich wird: »Ich habe immer riemengetriebene Plattenspieler bevorzugt und Direktantriebe nie gemocht. Aber dann hat mir ein Hersteller, mit dem ich schon viele Jahren zusammenarbeite, diesen Motor gezeigt. Er läuft extrem ruhig, die Geschwindigkeitsstabilität ist außergewöhnlich hoch. Sie haben mir einen Prototyp des Stealth gebaut und das Resultat war fantastisch. Er war einfach zu gut, um es nicht zu machen.«
Dieser neue, in Taiwan gefertigte Music-Hall-Schallplattenspieler ist im Kontrast zu seinen, in der Regel glänzend lackierten Brüdern der MMF-Serie ganz in mattem Schwarzton gehalten. Ein Umstand, der den martialischen Namen erklärt. Das bereits erwähnte massive Chassis setzt sich aus einer minimal abgesetzten oberen Platte sowie der schwer wiegenden MDF-Kernebene zusammen. Diese über neun Kilogramm auf die Waage bringende Einheit steht auf höhenverstellbaren dämpfenden Füßen mit einem Zentrum aus Visko-Elastomer. Solcher gewichtiger Materialeinsatz soll qua reiner Masse in hinreichendem Maße der Entkoppelung dienen. Eine Aufgabe, die bei den bekannten MMFs durch die Trennung von Basisplatte(n) und Dämpfungselementen übernommen wird. Das Ziel bleibt gleich: die Vermeidung des Übergreifens von Störeinflüssen auf den fragilen Vorgang der Rillenabtastung durch die winzige Abtastnadel. Beim Stealth wird es nur auf andere Art umgesetzt.
Auch der ebenfalls matt gehaltene Aluminium-Plattenteller ist von erheblichem Gewicht (1,8 Kilogramm). Er liegt auf einem kleinen Sub-Teller auf, dessen Nabe direkt mit dem bürstenlosen Motor verbunden ist, bei dem es nicht – im Gegensatz zu Diskjockey-Laufwerken – auf kräftigsten »Durchzug« ankommt. Trotzdem setzt sich der Teller nach Tastendruck zügig in Bewegung. Innen wurde er über eine Beschichtung aus Visko-Elastomer gedämpft, um ein unerwünschtes eigenes »Klinge(l)n« des Materials zu vermeiden. Unterstützt wird diese Maßnahme durch eine schwere Gummimatte auf seiner Oberseite. Auch wenn man sich dem Gerät in fast schon ungebührlicher Weise nähert, ist keinerlei Motorgeräusch zu vernehmen.