Der Aufbau der Konvertersektion des SA-KI Ruby zeugt besonders deutlich von der hauseigenen Digital-Expertise: Eine zum Patent angemeldete, erstmalig im Netzwerk-Spieler NA-11S1 eingesetzte Topologie namens »Marantz Musical Mastering«, deren Entwicklung Rainer Finck geleitet hat, nimmt zunächst ein Oversampling aller PCM-Eingangssignale vor und wandelt sie in einen 1-Bit-Datenstrom um. Dem dafür im SA-KI Ruby zuständigen DSP ist jeweils eine Clock für die Basis-Abtastraten 44,1 kHz und 48 kHz vorgeschaltet, die auf rund 11,3 MHz respektive rund 12,3 MHz hochgetaktet werden. Die Signalverarbeitung geschieht mithilfe selbst entwickelter Algorithmen, die bereits vor ihrer Verwendung in HiFi-Komponenten in Tonstudios zum Einsatz kamen und trotz des einbittigen Datenstroms einen hohen Signal-Rauschabstand gewährleisten sollen. Als FIR-Filter stehen zwei Minimalphasen-Typen mit geringen Vorschwingern zur Wahl: Die eine Charakteristik fällt steilflankig ab, die andere hat einen sanfteren Roll-Off. Die anschließende Digital-Analog-Wandlung von PCM- und DSD-Datenströmen übernimmt anstelle eines DAC-Chips eine analoge Schaltung. Sie ist mit einem CPLD aufgebaut, dessen Schaltfrequenz dem Vierfachen der hier vorliegenden upgesampelten Abtastfrequenz entspricht. Er steuert schnelle elektrische Schalter an und legt zwischen aufeinander folgenden Einsen eine Pause ein: Dank dieser beabsichtigten »Abtastlücken« weist jede Eins eine Einschalt- und eine Ausschaltflanke auf, sodass die analoge Wellenform sehr akkurat rekonstruiert werden kann.

Die analoge Ausgangsstufe des SA-KI Ruby ist ebenfalls mit HDA-Modulen bestückt, doch das ist vermutlich nicht der Grund, warum er nach ziemlich genau sieben Tagen zu seiner ganzen Form aufläuft. Fakt ist, wenn sich die »Rubine« im einwöchigen Dauer-Musikbetrieb frei gespielt haben, sind ihrer Spielfreude kaum Grenzen gesetzt - das gilt für beide Komponenten einzeln wie im Verbund eingesetzt. So lässt sich manchmal sogar die Tatsache, dass ein per Web-Player abgespieltes Video lediglich passable Tonqualität hat, verschmerzen: Die von Charlotte de Witte gemixte Ausgabe der Essential Mixes auf BBC Radio 1 trifft mit dem Wandlerteil des SA-KI Ruby gehört trotzdem voll ins Schwarze. Im Laufe der Zeit habe ich einige Favoriten aus dieser großartigen Performance als AIFF-Files gekauft, daher konnte ich sie mit Audirvana Plus auf dem MacBook und alternativ mit dem Musikserver Xo-one von X-odos abgespielt für eine fundierte Einschätzung dieses Duos heranziehen. Bei »Dedication« aus der vor einem Jahr veröffentlichten EP »Persistence« von JustLocal untermalt ein atmosphärischer Klangteppich prominent und sehr tief abgemischte Beats, die jetzt knochentrocken serviert werden. Abseits dieser offenkundigen Elemente steckt »Dedication« voller subtiler Soundeffekte und reiht sich damit unter den wenigen anspruchsvollen Techno-Arrangements mit langer Halbwertzeit ein. Tatsächlich enthält dieser Track eine solche Vielzahl »kleiner Spielereien« am Mischpult, das man sie häufig nur ausschnittweise wahrnimmt. Das Marantz-Duo macht dagegen mit einer feindynamisch und tonal außerordentlich differenzierten, zugleich integrativen Darbietung eine parallele Betrachtung seiner ganzen Komplexität zum Kinderspiel.

Glaube an große Wirkung kleiner Dinge

Der norwegische Mädchenchor Nidarosdomens jentekor hat zusammen mit den TrondheimSolistene für das von 2L hervorragend produzierte Album »Lux« unter anderem ein Requiem von Andrew Smith eingespielt. Bei dessen Introitus steigt der PM-KI Ruby bis zu den untersten Oktaven der Orgel hinab und drückt sie mit geradezu Ehrfurcht gebietender Massivität in den Raum. Zudem gelingt hier eine sowohl in der Breite als auch in der Tiefe großformatig angelegte Abbildung der Nidaros-Kathedrale, die überdies sehr präzise gestaffelt und hell ausgeleuchtet ist, sodass die zwei Altersgruppen des im Hintergrund platzierten 75-köpfigen Chors klar voneinander abgegrenzt werden. Auf ihrem 2016 veröffentlichten Album »I Believe in Little Things« interpretiert die kanadische Jazz-Sängerin Diana Panton Song-Klassiker aus Filmen und zeitgenössische Kinderlieder neu. Die sorgsame Zusammenstellung der Stücke erzählt Geschichten über das Leben, die ein Motiv gemeinsam haben: Den Glauben an die große Wirkung kleiner Dinge. Diejenigen, die ihn verloren haben, dürften die KI Ruby wieder umstimmen, indem sie jede von Don Thompson am Piano und am Vibraphon gespielte Note samt ihres Ausklingens als wichtigen Teil des Ganzen offenlegen. Vor allem jedoch widmen sie sich der zauberhaften Atmosphäre dieser Scheibe mit einer hinreißend geschmeidigen Spielweise, die echte Tiefenentspannung ermöglicht. Und wenn Diana Panton mit zuckersüßem Tonfall »Pure Imagination« vorträgt, ist es ganz um mich geschehen, denn die KI Ruby lassen ihre Stimme hierbei faszinierend natürlich und unmittelbar wirkend erklingen.

Auf ihrem 2016 veröffentlichten Album »I Believe in Little Things« interpretiert die kanadische Jazz-Sängerin Diana Panton Song-Klassiker aus Filmen und zeitgenössische Kinderlieder neu.