Das mehrstündige Lesen einer Bedienungsanleitung oder ein Hochschulstudium sind für die Installation des NA-11S1 nicht notwendig. Er lässt sich mit Hilfe der Menüfunktion in deutscher Sprache blitzschnell einrichten, zumal er dem Nutzer ansonsten komplizierte Schritte sehr erleichtert. Netz- und Signalanschluss mitgerechnet, brauchten die Redakteure keine fünf Minuten bis zum ersten Ton, der vom Internet-Radio stammte und bereits Staunen ob der Klangqualität hervorrief. Dieses Medium hat doch normalerweise keinen Rhythmus geschweige denn einen attraktiven Groove. Bisher hielten wir Internet-Radiostationen nur für die Hintergrundberieselung in amerikanischen Kaffeehausketten geeignet. Doch mit dieser Komponente kann man jetzt auch auf klangliche Entdeckungsreise gehen.
Die Feuerprobe stand dem NA-11S1 allerdings bei der Begegnung mit dem i-fidelity.net-Referenzplayer Marantz SA-KI Pearl im Hörraum bevor. Erwartet hatten wir ein Kopf-an-Kopf-Rennen, doch der NA-11S1 belehrte uns bereits mit »Was All Talk« von Kurt Vile dahingehend, dass er gedenkt, den Pearl-Kollegen auf den zweiten Platz zu verbannen. Bestechend sind vor allem die Plastizität und Bühnenstabilität, mit der der Netzwerkplayer wirklich überzeugt. Er löst perfekt auf, lässt die Musik fließen und ebnet rhythmische Strukturen nicht ein, was bisher stets einer unserer größten Kritikprodukte bei dieser Produktkategorie war. Zudem liefert er eine gänzliche neue Grundtonqualität, die nicht Technik- sondern Instrumenten-geprägt ist. Diesen klanglichen Gewinn kann und darf man durchaus der sauberen Entwicklung zuschreiben.
Versuchen Sie mal, einen Klassiker wie »In The Air Tonight« von Phil Collins erstmals in 24 Bit/88,2 Kilohertz zu hören. Hunderte Male gehört und doch die Hälfte verpasst, das ist unser Höreindruck. Der Titel hat plötzlich eine Leichtigkeit bei gleichzeitigem Energiegewinn, die sowohl von LP als auch CD nicht vorstellbar ist. Noch eindrucksvoller gelingt die Wiedergabe neu produzierter 96-Kilohertz-Tracks wie »That All You Got« von Steve Earle & The Dukes. Vollkommen realistisch wird Earles Stimme zwischen den Lautsprechern abgebildet. Das kennen wir so zwar auch von großen SACD-Spielern, allerdings nicht mit dem Maß an unverschämter Leichtigkeit, das der NA-11S1 hier bietet. Es klingt so, als ob die Musik technikbefreit im Raum steht. Auch Staffelungen in die räumliche Tiefe erreichen ein Höchstmaß an Präzision. Das fällt vor allem dann auf, wenn man das gleiche Stück von CD hört. Überzeugend ist auch die Darbietung von Vivaldis »Vier Jahreszeiten« in einer Einspielung mit Max Richter, vor allem weil der akustische Charakter und die vielen Details ein so eindeutiges Bild des Orchesterkörpers liefern. Schöner lässt sich Musik derzeit wohl kaum erleben...