Bedenken, dass diese recht einfach gehaltene Konstruktion zu einer wackeligen Angelegenheit wird, waren schnell zerstreut; allerdings lassen sich Unebenheiten des Bodens nur mit Hausmitteln ausgleichen – Filzgleiter haben in meinem Fall gute Dienste geleistet. Es schadet übrigens auch nicht, an der Unterseite der Rahmen links und rechts einen Filzgleiter anzubringen, da sie anderenfalls direkten Kontakt zum Boden haben. Alternativ zu den Standardfüßen sind »Upgrade Stands« (Paarpreis 490 Euro) erhältlich; an ihnen ist das Paneel schwebend, sechs Zentimeter oberhalb der Stellfläche, aufgehängt. Die Lautsprecherpaneele selbst weisen lediglich eine Tiefe von zweieinhalb Zentimetern auf, ihre Rahmen werden aus MDF hergestellt und sind mit hauchdünnem, porösem Stoff bespannt. Im unteren Teil des Paneels ist die reduziert aufgebaute Weiche untergebracht, das Anschlussfeld sieht ausschließlich den Single-Wiring-Betrieb vor. Unkonventionell, aber typisch Magnepan: Die Terminals sind de facto kleine Madenschrauben. Nichtsdestotrotz nehmen sie gängige Kabelschuhe auf (dazu muss man die Schrauben ein wenig lösen) und – obwohl es nicht danach aussieht – verschwinden tatsächlich auch die Kontaktstifte von Bananensteckern in ihrer Mitte, nachdem man die dort eingesetzten Gewinde herausgedreht hat. Des Weiteren findet sich dort, ebenfalls mit Madenschrauben fixiert, eine Metallbrücke. Sie kann entfernt und durch einen der mitgelieferten Widerstände ersetzt werden, um den Hochtonpegel abzusenken und so eine Anpassung an eine schallharte Umgebung vorzunehmen.

Hohe technische Kompetenz

Grundsätzlich handelt es sich bei der LRS+ um einen Vollbereichs-Magnetostaten mit Eintaktaufbau. Dieses generell von Magnepan verwendete Prinzip der Schallwandlung kommt ohne Hochspannung aus und benötigt daher im Gegensatz zu Elektrostaten keinen Netzanschluss und keinen Transformer. Als schallabstrahlende Fläche wird eine biaxial orientierte Polyesterfolie eingesetzt, die mit knapp 0,013 Millimetern Dicke um ein Vielfaches dünner ist als ein menschliches Haar. Auf diese Folienmembran wird, in Bögen angeordnet, eine Leiterbahn aufgebracht, die lediglich 0,025 Millimeter dünn ist – die bewegte Masse ist hier auf ein Minimum reduziert. Dieser aus Aluminiumfolie hergestellte Leiter arbeitet in einem konstanten Magnetfeld, das von hinter der Folie positionierten Stabmagneten erzeugt wird, die an der Rückseite des Paneels in Form zweier querlaufender Streifen sichtbar sind. Wenn der Leiter von Strom durchflossen wird, tritt das dadurch auftretende induktive Magnetfeld in Wechselwirkung mit dem konstanten Magnetfeld und bewegt so die Folienmembran. Dieses Prinzip nennt Magnepan »Quasi-Ribbon«, um es von der seltener verwendeten »True Ribbon«-Bauweise abzugrenzen, bei der statt einer Folie ein Aluminiumbändchen frei schwingend in Stabmagneten aufgehängt ist.

Die LRS+ ist als Zweiwegesystem konzipiert; deshalb ist eine schmale Sektion der Folie, die am Rand des Paneels positioniert ist, ausschließlich für hohe Frequenzen zuständig. Betrachtet man die Vorderseite der LRS+ genauer, wird dieser Hochtonbereich bei Gegenlicht durch den feinen Stoffbezug sichtbar, dort verlaufen die Bögen des Leiters dichter beieinander. Demzufolge weisen, je nachdem, auf welche Seite die jeweiligen Lautsprecher gestellt werden, ihre Hochtonsektionen nach außen oder innen – eine Variable, die unter Umständen mehr als nur eine Feinabstimmung bewirkt. In Bezug auf die akustische Interaktion mit dem Raum haftet Flächenstrahlern, die eine Form von Dipol-Schallwandlern darstellen, bisweilen der Ruf an, sie seien schwierig zu positionieren und würden besonders sensibel auf raumakustische Gegebenheiten reagieren. Tatsächlich jedoch regen Flächenstrahler den Raum vergleichsweise geringfügig und gleichmäßig an, wobei die LRS+ gut zwei Drittel ihrer Schallleistung nach vorn abstrahlt. Aufgrund der großen schallabstrahlenden Fläche und der vertikalen Bündelung erzielt sie einen hohen Anteil von Direktschall am Hörplatz – eine Charakteristik, die sich durch stärkeres Einwinkeln der Lautsprecher intensivieren lässt. Obgleich Magnepan sie nicht empfiehlt, kann auch die Aufstellung mit nach innen weisenden Hochtonsektionen eingesetzt werden, um die Einflüsse des Raums zu reduzieren und die Abbildung schärfer zu fokussieren. Unabhängig von der Hörsituation sollte man übrigens eine Empfehlung unbedingt beherzigen, nämlich der LRS+ hochkarätige, kräftige Verstärker zur Seite zu stellen. Mit dem VTL IT-85 habe ich einen adäquaten Spielpartner eingesetzt, der die kleine Magnepan zur Höchstform antreiben kann.