Über eine lange Zeit hinweg war es um Magnepan hierzulande recht ruhig geworden. Doch das soll sich ändern, wenn es nach Jürgen Reichmann geht, der sich seit dem Frühjahr dieses Jahres um den Vertrieb in Deutschland kümmert. Zwar ist die Konjunktur von Flächenstrahlern, gegenüber den Hochzeiten in den Achtzigern und Neunzigern, merklich abgeflaut, und zum Verkaufsschlager haben sie in den meisten Märkten nie getaugt. Zudem werden sie womöglich in Teilen der Vertriebs- und Händlerlandschaft als zu beratungsintensiv angesehen und sind von Vorurteilen belastet unter die Räder des Zeitgeistes gekommen. Dass sich heutzutage großformatige, puristisch konzipierte Lautsprecher schwerer verkaufen lassen als »smarte« Kompaktboxen, ist einsichtig. Hinzu kommt, dass Flächenstrahler von der Warte einer breiten Käuferschicht aus gesehen mit bestimmten Einschränkungen zu kämpfen haben. Gleichwohl steht diese Auffassung mit einem Fuß im Bereich der Vorurteile – und über die Schwächen dynamischer Schallwandler sprechen die wenigsten gern. Einmal richtig aufgestellt, spricht die LRS+ diesbezüglich allerdings mit deutlichen Worten für sich, so viel darf vorweggenommen werden.

Vor dem Hintergrund der heute zumeist geforderten unauffälligen Integration in den Wohnraum fallen die Erwartungen an eine Renaissance dieser Lautsprechergattung eher gedämpft aus, aber für etliche audiophile Kenner war die Zeit der Flächenstrahler aus nachvollziehbaren Gründen nie vorbei. Davon zeugt nicht zuletzt auch die nunmehr über fünf Jahrzehnte fortwährende Historie von Magnepan, die 1969 begann. Seinerzeit entwickelte Jim Winey, der selbst Elektrostaten besaß, von diesem Prinzip ausgehend das »Magneplanar«-Lautsprecherkonzept und startete sodann seine Unternehmung. Zuvor hatte der studierte Ingenieur bei einem Konzern namens »Minnesota Mining & Manufacturing«, noch heute besser bekannt als »3M«, gearbeitet und gewann dort Einblick in Folien-Verarbeitungstechnologien. Heute liegen die Geschicke der Firma in den Händen seiner Söhne Mark und Steven Winey; für die Entwicklung zeichnet mit Wendell Diller ein alter Hase verantwortlich, der schon seit dem Ausscheiden des Gründers die grundlegenden technischen Prämissen fortführt. Das bedeutet vor allem eines: Es gibt bis heute keinen einzigen Lautsprecher im Portfolio, der über Konustreiber verfügt – und es wird sicherlich auch in Zukunft keinen geben. Während andernorts gern den tiefen Registern mit einem konventionellen Basschassis auf die Sprünge geholfen wird, ist eine solche Konzession für Wendell Diller indiskutabel.

Dennoch bewegt man sich mit dem Konzept des »Little Ribbon Speaker« in Richtung breiterer Käuferschichten, was sich vor allem am Paarpreis von knapp 1.700 Euro zeigt. Dieser offensiven Kalkulation ungeachtet wird auch die LRS+ am Firmensitz in White Bear Lake, einer im Bundesstaat Minnesota gelegenen Kleinstadt, von Hand gefertigt. Die Abmessungen betreffend nimmt sich die für Raumgrößen zwischen zehn und zwanzig Quadratmetern konzipierte LRS+ noch einmal spürbar zierlicher aus als das nächstgrößere Modell MG-0.7, das die LRS+ um 25 Zentimeter überragt und auch etwas mehr Tiefe beansprucht. Die resultiert bei den Modellen LRS+ und MG-0.7 aus der Bauform ihrer zwei winkligen Standfüße, deren kurze Seite rückwärtig links und rechts in den Rahmen geschraubt wird, sodass die langen, nach hinten weisenden Ausleger die flachen Lautsprecherpaneele abstützen. Die Enden dieser Ausleger sind mit kleinen Bügeln ausgestattet, die entweder flach auf dem Boden liegen oder aufgestellt dafür sorgen, dass der Lautsprecher aufrechter steht, was sich bei Hörentfernungen von bis zu etwa drei Metern und tiefen Sitzmöbeln empfiehlt.