Die letzten Jahre waren für Plattenspieler-Hersteller, die ihre Tonarme nicht selbst gefertigt haben, keine guten. So hat etwa SME den OEM-Verkauf eingestellt und bietet seine Tonarme nur noch in Kombination mit den eigenen Laufwerken an. Und Jelco, einer der renommiertesten Hersteller aus Japan (er hat unter anderem Tonarme für Sumiko, Koetsu und Linn gebaut, aber auch welche unter eigenem Namen vertrieben), hat 2020 die Fertigung komplett eingestellt. Das hat unter anderem Luxman getroffen, denn als Elektronikhersteller mit wenigen Plattenspielermodellen im Portfolio ist es in puncto Know-how, Kapazitäten und Kosten fast unmöglich, eine eigene Tonarmfertigung aufzubauen. Das war in den 80er-Jahren noch anders, damals spielten Luxman-Plattenspieler in fast jeder Preisklasse ganz weit vorne mit, doch inzwischen hat das Unternehmen seinen Schwerpunkt ganz klar auf Elektronik gelegt. Was nicht heißt, dass die zwei heute angebotenen Plattenspieler-Modelle Alibi-oder Beiprodukte sind – ganz im Gegenteil, Luxman offeriert mit ihnen ganz feines Abspielwerkzeug.

Wie löste Luxman nun dieses Problem mit der versiegten Tonarmquelle? Natürlich hätten sich die Japaner für die schlimmste Option entscheiden und ganz einfach die Plattenspielerproduktion einstellen können. Oder sie hätten sich im Regal von Rega beziehungsweise Clearaudio bedienen können, was sicher nicht die schlechteste Wahl gewesen wäre. Aber Luxman wäre nicht Luxman (das Unternehmen feiert im nächsten Jahr übrigens sein 100-jähriges Bestehen), wenn man in Yokohama in einer solchen Situation nicht den Stier bei den Hörnern genommen und in puncto Tonarmen nicht Nägel mit Köpfen gemacht hätte: Die Ingenieure wurden beim ebenfalls in Japan ansässigen Tonarmhersteller SAEC vorstellig und gemeinsam entwickelte man zwei Tonarme: einen für den hier besprochenen Plattenspieler PD-191A und einen für seinen kleineren Bruder PD-151 Mark II. SAEC – ein Name, der wie Donnerhall in meinen Ohren klingt. Während meiner Studienzeit waren SAEC-Tonarme der Gral des gehobenen High-End-Klangs – überragend gut, aber auch unverschämt teuer.

Der LTA-710 genannte, S-förmig geschwungene 10-Zoll-Tonarm, den Luxman und SAEC für das Flaggschiff-Laufwerk entwickelten, ist mit einem Messerschneide-Lager wie die ehrwürdigen SME-Tonarme ausgestattet. Er ist mit einer Präzision gefertigt, die ihresgleichen sucht. Ich habe selten einen so spielfreien Tonarm gesehen, der sich so leicht um seine Achsen dreht – das ist Maschinenbau auf allerhöchstem Niveau. Optik und Haptik sind bei diesem Arm vom Allerfeinsten. Auch die Headshell, welche per SME-Anschluss mit dem Armrohr verbunden wird, weist kein Jota Spiel auf – da wird kein Fitzelchen Klangqualität verschenkt. Der LTA-710 hat sich auch als sehr universell einsetzbar erwiesen, denn er harmoniert nicht nur mit dem hauseigenen Tonabnehmer LMC-5 perfekt. Auch das Zusammenspiel mit meinem Transrotor Uccello und meinem schon in die Jahre gekommenen Goldring IGC920, beides MM-Systeme, hat ganz wunderbar funktioniert. Die Kombination aus Laufwerk und Tonarm bildete eine wunderbare Grundlage für diese Tonabnehmer, um ihre jeweiligen Stärken voll zur Geltung zu bringen. Die meiste Zeit habe ich natürlich mit dem hauseigenen LMC-5 Musik gehört – ein ganz feines, hochauflösendes und ultramusikalisches Tonabnehmersystem. Ich kann schon jetzt  verraten, dass es mein Haus nicht mehr verlassen wird.