Hätte, hätte, Fahrradkette – würde ich heute hier sitzen und einen Artikel für i-fidelity.net schreiben, wenn mein Einstieg in die HiFi-Welt so verlaufen wäre, wie ich mir das vorgenommen hatte? Als 17-jähriger Gymnasiast hatte ich mir vorgenommen, meinen zu erwartenden Lohn, den ich in den Sommerferien beim größten Getriebehersteller der Welt verdienen würde, in meine erste eigene Stereoanlage zu investieren. Nach Recherchen in der Fachpresse und diversen Besuchen im Fachhandel habe ich bei einem kleinen Händler, der ganz versteckt im Nachbarort seinen Laden führte, eine Vorführung bekommen, die mich faszinierte. Es spielte ein Luxman L-1 mit dem dazugehörenden Plattenspieler an einem Lautsprecher, an den ich mich heute nicht mehr erinnern kann. Diese Vorführung war ganz anders als alles, was ich bis dato gehört hatte – hier spielte Musik, Musik und nochmals Musik. Das hatte so gar nichts von technischer Konservenwiedergabe wie bei anderen Vorführungen. Für mich stand fest, diese Luxman-Geräte muss ich haben. Aber es kam anders: Mein Vater kannte den Inhaber eines Elektrogroßhandels, und der bot mir für eine andere HiFi-Lösung einen unschlagbaren Preis. Damit war die Anschaffung der Luxman-Komponenten Geschichte.

Das, was ich gekauft hatte, spielte auch richtig gut, aber mir fehlte diese natürliche Musikalität, die mich an der Luxman-Anlage so fasziniert hatte. Und somit wurde ich zum Suchenden, habe mich über Jahrzehnte mit HiFi und High End beschäftigt, habe HiFi zur Finanzierung meines Studiums verkauft und befasse mich schreibend seit über zehn Jahren intensiv mit allem, was auf diesem Gebiet gut und teuer ist. Wäre ich diesen Weg wohl auch gegangen, wenn ich mich damals für Luxman entschieden hätte? Wer weiß… Einige Jahrzehnte später steht jedenfalls das modernisierte Luxman-Vollverstärker-Flaggschiff L-509Z bei mir im Rack und ich höre mich fragen, ob ich auf dem Weg zurück in meine Jugend bin und klanglich von Luxman wieder so fasziniert sein werde wie damals?

Im Gegensatz zum schlanken, schlichten Äußeren des L-1 ist der L-509Z schon eine richtige Wuchtbrumme – breit, hoch, tief und schwer, aber bei genauerer Betrachtung stilistisch sehr gelungen. Dieser Verstärker bedient sich der klassischen japanischen Design-Philosophie: beste Bauteile, großzügige Ausstattung, stabiles Netzteil, technische Raffinesse und eine unerschütterliche Verarbeitungsqualität – so etwas ist  natürlich nicht mehr in einem schlanken Gehäuse unterzubringen.

In puncto Ausstattung lassen sich die Japaner ja grundsätzlich nicht lumpen, und das ist beim L-509Z nicht anders. Sechs Line-Eingänge, davon zwei symmetrisch, ein Phono-Eingang mit MM sowie zwei MC-Empfindlichkeiten und Abschlusswiderständen, zwei Pre-outs (für Endstufen und /oder Subwoofer) sowie ein Main-in-Anschluss, um den Verstärker als reine Endstufe betreiben zu können, stehen zur Verfügung. Damit lässt sich ein veritabler HiFi-Turm aufbauen und eine stattliche Anzahl von Quellgeräten anschließen. Ich benötige das nicht, aber mit Plattenspieler und Musikserver ergab sich ein sehr schlankes und optisch attraktives System.