Wenn ein neues Testgerät in meiner kleinen audiophilen Welt eintrifft, schlagen zwei Herzen in des Autoren Brust. Einerseits die Neugier ob der Leistungsfähigkeit des Kandidaten, die einen sofortigen Einsatz zeitigt. Andererseits die Erkenntnis, dass ein längeres Einspielen vor dem ersten ernsthaften Hören sich in der Regel auszahlt. Meistens siegt die Vernunft und der Neuling dudelt unbeachtet an der Wohnzimmeranlage eine Woche leise vor sich hin. Manchmal aber ist das Interesse zu groß und das Testobjekt landet direkt am Referenzsystem im dezidierten Hörraum. So geschehen bei der neuen Top-Streaming-Bridge U2x von Lumin. Geholfen hat bei der Entscheidung das Wissen, dass im Unternehmen aus Hongkong jedes Gerät erst hundert Stunden in Betrieb genommen wird, bevor es im Produktkarton landet.
Meine Ungeduld ließ sich auch deswegen rechtfertigen, weil an gleicher Stelle kurz zuvor der ausgezeichnete Aurender A1000-Streamer zu gefallen wusste und ich dessen Qualitäten noch gut im Ohr hatte. Doch als der Lumin U2x im S3-5-Rack von Solidsteel Platz nahm und ich wie schon beim Aurender das Fink-Album »Beauty In Your Wake« via Qobuz (FLAC 24 Bit / 48 Kilohertz) anwählte, glaubte ich meinen Ohren nicht zu trauen: Das war – um es mal norddeutsch zu formulieren – ein anderer Schnack. Der Klang löste sich in seiner Dreidimensionalität, Plastizität und Raumillusion noch mehr vom Lautsprecher, als ich es zuletzt gewohnt war. Er strahlte neben dieser großen Freiheit eine gelassene Ruhe aus und unterfütterte diese Selbstverständlichkeit mit einem markanten und präzise ausgearbeiteten Tiefton. Hier zeigte sich schon beim ersten Kontakt, dass es im High-End-Bereich immer noch eine Steigerung gibt, die preislich darunter liegende Komponenten trotz aller ihrer Qualitäten nicht erreichen. Das Bessere, der Feind des Guten.
So eindeutig der Zugewinn ist – das muss auch so sein. Schließlich kostet der Lumin U2x fast dreimal soviel wie ein Aurender A1000 und verzichtet zudem auf einen integrierten DAC. Als reiner Network-Transport bildet der U2x die Schnittstelle zwischen lokal gespeicherten oder via Internet bezogenen Daten und einem separaten D/A-Wandler, der dem Verstärker das analoge Signal serviert. Seine wichtigste Aufgabe: die Audio-Files möglichst »unbeschadet« weiterzuleiten. Das klingt im ersten Moment wenig anspruchsvoll und wird deswegen zu oft unterschätzt. Dabei ist es kein leichtes Unterfangen, korrekte Zeitverhältnisse im Datenfluss beizubehalten und potentielle Störungsquellen auszusperren. Die Erfahrung zeigt, dass sich schon hier die Spreu vom Weizen trennt. Denn was an der Quelle suboptimal verarbeitet wird, kann auch die beste nachgeschaltete Elektronik nicht mehr hinreichend kompensieren.
In dieser Produktgruppe der Network-Transports a.k.a. Streaming-Bridges stellt der U2x das neue Spitzenmodell im Lumin-Portfolio dar. Hier sammelt sich die gereifte aktuelle Kompetenz der Marke, welche seit 2013 das Feld der höchstwertigen digitalen Audio-Wiedergabe außerordentlich erfolgreich bestellt. Naturgemäß haben die Lumin-Ingenieure für den U2x auf den Erfahrungen mit den Vorläufern aufgebaut, aber neue Erkenntnisse verarbeitet, aktuelle Technologien genutzt und in nahezu jeder Hinsicht aus dem Vollen geschöpft. Es beginnt schon beim Gehäuse. Dieses ist in einer geschwungenen Linie aus einem massiven Aluminiumblock CNC-gefräst. Das sieht nicht nur sehr geschmackvoll aus, sondern verfolgt in erster Linie das Ziel, schädliche Vibrationen im Innern auszubremsen und von außen nicht in das Gerät gelangen zu lassen. Diese Überlegung setzt sich fort bei der ausgelagerten Stromversorgung. Jene wurde in einem gleichermaßen gefertigten, maximal steifen Aluminiumgehäuse eingebaut. In dem Wissen um die Relevanz des Netzteils für das klangliche Endergebnis bei einer Digital-Audio-Komponente ist es als Linearnetzteil konzipiert und äußerst aufwendig gestaltet: Zwei Ringkerntransformatoren mitsamt drei Gleichrichterbrücken und fünf sehr rauscharmen analogen Spannungsreglern schaffen die Grundlage für den Betrieb des U2x.