Aufgrund dieser Art der digitalen Lautstärkeregelung hätte ich meine analoge Referenz-Vorstufe Musical Fidelity M6s PRE ignorieren und den Lumin T3 direkt mit der gleichfalls in Dual-Mono-Konfiguration vollsymmetrisch aufgebauten Endstufe Musical Fidelity M6s PRX verbinden können. Doch da dieser Poweramp über keine Pegelsteller verfügt, besteht die Gefahr, in einem unbedachten Moment das Volumen über die App auf 100 Prozent zu stellen, die 672-Watt-Endstufe somit auf maximalen Pegel zu fahren, mir damit erstens einen veritablen Schrecken einzujagen und zweitens danach die Reste meiner Lautsprecher zusammenkehren zu müssen. Da ich meine gelegentliche Zerstreutheit kenne, vertraute ich lieber auf den Risikopuffer eines vorregelnden Preamp und befand mich auf der sicheren Seite. Dauerhaft konzentrierte User oder Besitzer von Endstufen oder Aktivboxen mit Pegelsteller hingegen könnten den Umweg über einen Vorverstärker auslassen.
Vor dieser Verstärkeranbindung hatte ich schon die grundsätzliche Integration des Digital-Systems gemeistert, welche sehr geschmeidig vonstatten ging. Zuerst musste ein Netzwerkkabel vom T3 ausgehend in meinem Switch (Silent Angel Bonn N8 Pro) landen. Dass dieses hochwertig sein sollte, versteht sich auf diesem Niveau von selbst. Somit fiel meine Wahl auf ein Shieldio NA5 der japanischen Spezialisten AIM. Danach folgte der Download der Lumin-App auf das iPad. Für ein Android-Tablet hätte im Google Store eine angepasste Version bereitgestanden. In der App stellt man auch die Kontakte zu den abonnierten Musik-Streamingdiensten her. Nach Eingabe von Name und Passwort stand die Verbindung zu meinem präferierten Anbieter Qobuz umgehend.
Obgleich lokal gelagerte Audio-Files direkt vom rückseitig ankernden USB-Stick eingelesen werden könnten, habe ich für den Test die Daten unter Zuhilfenahme des UPnP-Standards aus dem Netzwerk gezogen – nicht umsonst heißt die Gattungsbezeichnung des T3 ja Network-Player. Als solcher ruft er freigegebene Daten von einem im gleichen Netzwerk befindlichen Computer ab, der zu diesem Zweck jedoch dauerhaft angeschaltet sein muss. Naheliegender ist die Verwendung eines separaten Netzwerkspeichers (NAS). Lumin empfiehlt mit Nachdruck solche, auf denen das Programm »MinimServer« läuft, mit dem auch die Entwicklung des Geräts begleitet wurde. Das gilt für Modelle der Anbieter Qnap, Synology und Asustor. Diese auf meinem Silent-NAS von Qnap aktive Server-Software wird vom T3 umgehend erkannt, sodass ich Zugriff auf meine gesamte Bibliothek an Audio-Dateien habe. Doch zuerst scanne ich das aktuelle Angebot von Qobuz, wo das neue Album von Daniel Lanois des Mausklicks harrt.
Wie der Titel »Piano, Player« unschwer vermuten lässt, steht hier das genannte Tasteninstrument im Fokus des Schaffens. Doch der kanadische Starproduzent reichert seine Klavier-Kompositionen mit wohlgesetzten Effekt-Kaskaden und Synthesizer-Atmosphären an, die teilweise sehr weitläufige Soundscapes aufziehen, welche der Lumin raum(be)greifend und tiefenscharf abbildet. Inmitten dieses klanglichen Schaumbades gelingt es dem Netzwerk-Player, das Klavier bei den von Lanois »unbehandelten« Momenten in seinem kantigen Charakter zu erhalten. Akzentuierte Anschläge gehen ebensowenig unter wie kurze Mikrodetails, vielmehr bilden sie einen interessanten Kontrast zu jenem wie in Watte gepackten Klangbild, welches Daniel Lanois für dieses Ambient-Album konzipiert hat und das der T3 in der adäquaten Milde darstellt. Diese hier wieder offenbarte Fähigkeit zur ausgewogenen Präsentation frei von digitaler Schärfe gilt seit jeher als eine der besonderen Merkmale der digitalen Lumin-Produkte – und da macht der T3 keine Ausnahme. Was erneut die Mär angeblich hart klingender Sabre-Chips als zu schlichte Fabel entlarvt. Wenn man die Verstärkerstufe fernab des Standardreferenz-Designs von ESS eigenständig erstellt – wie Lumins Ingenieure es tun –, dann hat man alle Möglichkeiten in der Hand, den tonalen Charakter fernab jeder Härte wunschgerecht zu gestalten. Was aber nicht heißen muss, der Lumin kann es nur auf die angenehme Art. Au Contraire! Der Titelsong des äußerst knackig produzierten Ben-Harper-Albums »Fight For Your Mind« erklingt von der Netzwerkfestplatte via Lumin T3 dynamisch kraftvoll und genau abgezirkelt auf den Punkt. Der Bass brummt knorrig das treibende Riff, die bewusst trocken aufgezeichneten Drums festigen den Groove mit satter Kick-Drum und superkurzem Snare-Schlag, im rechten Kanal grätschten Timbales forsch ins Bild und die gedoppelten Slide-Gitarren sägen sich quer durchs Panorama. Zwischen allem schwebt luftig die Stimme von Ben Harper. Das klingt echt, hat Schwung und Leben und macht deswegen großen Spaß.