Als Musik- und HiFi-Enthusiast bin ich empfänglich für Klang. Das schließt den Klang von Namen mit ein. Es gibt im High End Marken, in denen, wenn man sie nur nennt, eine lange Faszinationsgeschichte nachhallt. McIntosh ist so ein Name, aber auch in Audio Research, Accuphase, Mark Levinson, Spectral und einigen anderen schwingen Gefühle, und es schwingen Mythen mit. Mythen, die sich in jeder realen Begegnung bewahrheiten. Nur so funktioniert es. Im Kabelfeld dürfte Kimber Kable solche affektiven Resonanzen auslösen. In meinen frühesten High-End-Erkundungen erschien mir der Name geradezu synonym für Topkabel. Es gab (und gibt) von den Amerikanern aus Utah ja auch erschwingliche Verbinder, die die Beipackstrippen klar distanzierten und so dem Einsteiger die prägende Erfahrung vermittelten, was mit dem sogenannten Zubehör verbessert werden konnte – und das schon bei kleinerem Budget.
Dem Erfolg war gewiss auch zuträglich, dass man ein klares Bild vor Augen hatte. Wenn technische Rationalität eine ikonische Erscheinung hervorbringt, dann kann das die Marke zum Mythos adeln: Kimber, das waren jene markant geflochtenen Kabel, die es nicht nötig hatten, durch Volumen zu prunken. Das heute allen Audio-Enthusiasten geläufige Flechtmuster war aber nicht dem Wiedererkennungswert geschuldet. Vielmehr gehörte Ray Kimber zu den Pionieren der Audio-Kabelforschung. Er untersuchte den Einfluss von Magnetfeldern auf die Leitungen. Solche entstehen bei jedem Stromfluss, und leider induzieren sie wiederum Ströme, die sich störend ins musikalische Signal mogeln. Solche Interferenzen, das fand Kimber bald heraus, lassen sich unterbinden. Wenn man nämlich die Leiter kreuzförmig verseilt, neutralisieren sich die magnetischen Störeffekte. So konnte er auch auf die Schirmung verzichten. Die verhindere zwar Einstrahlungen, töte aber oft den Klang.
Meine frühen Kimber-Erfahrungen liegen eine ganze Weile zurück. Seither hatte ich so einige Kabel und mit ihnen immer wieder die Wichtigkeit, ja den Komponentenstatus von Verbindern erlebt. Und nun eine Wiederbegegnung mit der mythischen Marke: Jetzt darf ich ausgiebig ein Lautsprecherkabel testen, das sich sofort als ein Kimber zu erkennen gibt: das Carbon 16. Natürlich weist es das ikonische Flechtmuster auf. Und auch sonst macht Kimber um die Konstruktion kein Geheimnis. Für den wahren Mythos bedarf es keines Nebels, hier waltet Sachlichkeit. 16 Leitungsstränge aus je sieben Litzen ergeben 112 Einzelleiter aus einem derart reinen OFE-Kupfer, dass ihm ein Leitwert von 102 Prozent (nach der IACS-Norm) zuerkannt wurde. Durch das namengebende Karbon, genauer: durch einen kohlenfaserverstärkten Verbundkunststoff, werden sie isoliert und auf Abstand gehalten. Karbon verhindere die elektrostatische Aufladung, Karbon sei optimal leicht, das Kabel lasse sich daher auch gut verlegen, so Kimber. Und es sei optimal steif, um ihm jegliche Vibrationen weitestgehend auszutreiben: Leiter neigen dazu, zu schwingen, sei es durch Trittschall, sei es durch das vom Stromfluss selbst erzeugte Schadzittern. Und alle beide induzieren sie Störimpulse, die das Karbon effektiv verhindere. Insgesamt, so Ray Kimber, sei es sogar dem Dielektrikum Luft überlegen.