Der noch junge »Vater« der KEF-Reference-Serie, Jack Oclee-Brown, hat das Projekt zielsicher auf ein noch höheres Niveau geführt.

Vier Takte »Darling Pretty« von Mark Knopfler reichen aus, um zu wissen, dass die Reference I nicht nur HiFi, sondern High End ist. Allzu gern verschmiert das Stück zu einem Ganzen, dessen Bestandteile sich kaum oder gar nicht mehr zuordnen lassen. Die KEF behält die Übersicht, bringt Ordnung in das akustische Geschehen – und das auf dem Boden einer Grundtonsubstanz, die im Verhältnis zur Gehäusegröße nur noch mit phänomenal zu beschreiben ist. Nicht dass wir uns falsch verstehen: Die Reference I versucht ganz und gar nicht, auf »Standlautsprecher zu machen«, vielmehr spielt sie sehr tief und dabei mit makelloser Konturiertheit. Gitarrensaiten werden innerhalb des Geschehens perfekt herausgearbeitet und als eigentliche Krönung mit einer Leichtigkeit im Hörraum abgebildet, die jede Beamer-Leinwand-Konstruktion in den Schatten stellt.

Wenn zur Entspannung George Winston auf dem Klavier »Tumbelina« spielt, merkt man, in welchem Maße die astreine Klangqualität bei der Vermittlung musikalischer Botschaften hilft. Was als Gesamtkunstwerk wirkt, bezieht seinen Reiz aus den Kleinigkeiten, die bei diesem Stück aus den Pedalgeräuschen und den sich bewegenden Hammern im Inneren des Klavier besteht. Eine Flucht aus dem Alltag kann so wunderbar sein. Was das brandneue Uni-Q-Chassis an Auflösung bietet, übertrifft die Vorgänger fraglos. Für diese Erkenntnis braucht es keine »audiophil« produzierte Aufnahme. »Cheek To Cheek« von Ella Fitzgerald reicht vollkommen aus, um mit Hilfe von Schlagzeug-Becken, Stimme und Piano den positiven musikalischen Offenbarungseid zu leisten – das ist einfach klasse und vor allem merklich über dem Klassendurchschnitt angesiedelt.

Mehr Details, mehr Raum

Feinzeichnung ist das überwältigende Thema dieses neuen KEF-Lautsprechers. Die Reference I geht – so scheint's – mit der Musik sorgfältiger und verantwortungsvoller um. Vielleicht ist dieser Eindruck am besten vergleichbar mit dem, was die Spitzengastronomie vom gewöhnlichen Restaurant abhebt. Davon überzeugen kann sich jeder mit Einspielungen der Label ECM (Garbarek, Katché, Jarrett) oder ACT. So wird die imaginäre Anwesenheit von Muriel Zoe im Hörraum zu einem ganz friedlichen Geschehen. Sie singt »Autumn Leaves« und das Hörprotokoll fällt zunächst flach. Das ist fließende, sanfte Musik und sonst gar nichts. Bestechend ist der Realismus, also Klangfarben, Größenabbildung und vor allem das harmonische Verhältnis zwischen Stimme und Gitarre. Auch in puncto Raumtiefe setzt die Reference I neue Maßstäbe.