Grund für das hohe Maß räumlicher Abbildungsfähigkeit ist KEFs Uni Q-Chassis, bei dem der Hochtöner im Zentrum des Mitteltöners montiert ist, um dem Ideal der Punktschallquelle näher zu kommen.

Neben weiteren Details wurde schließlich die umgebende Schallführung optimiert, um Kantenreflexionen an der Schallwand zu minimieren. Das für Bi-Wiring-Betrieb vorbereitete Anschlussfeld hält eine Überraschung parat: Dort finden sich außer den Polklemmen zwei Drehregler, welche die Verbindung zwischen dem Hochton- und dem Tieftonzweig herstellen respektive trennen. Dieses unkonventionelle Feature ist äußerst praktisch, wenn man nur ein Lautsprecherkabel verwenden möchte, da man so auf separate Kabeljumper verzichten kann. Zudem dürfte die interne Kontaktierung zumindest den in der Regel mitgelieferten Blechbrücken qualitativ vorzuziehen sein.

Die übrigen Vorbereitungen sind ebenso schnell erledigt, denn die R7 erweisen sich hinsichtlich ihrer Aufstellung als völlig unkompliziert und vertragen trotz ihrer rückwärtigen Bassreflex-Ports eine recht wandnahe Position. Wer ihr Potential ausschöpfen will, sollte ihnen dennoch auch hinten einen gewissen Freiraum gewähren. Mit einem Meter Distanz zur Rückwand und leicht eingewinkelt aufgestellt, rastet das Klangbild in meinem Raum ganz ein und löst sich fast vollständig von den Lautsprechern ab. Bei aufwendig produzierten elektronischen Alben wie »In Visible Silence« von The Art Of Noise wirkt die R7 dann wie das Kit, das unzählige Puzzlestücke zu einer vielschichtigen Collage nahtlos zusammenfügt; dabei erstreckt sich das Klangpanorama weit über die Stereo-Basis hinaus und reicht auch sehr weit in die Tiefe des Raumes hinein.

Wie exakt die R7 zudem fokussiert, wird jedoch erst mit einer hervorragenden Einspielung einer Jazz-Besetzung vollends deutlich: Bei »Reflections Of My Heart« aus dem Album »Love And Liberation« von Jazzmeia Horn zeichnet sie die  Konturen der Instrumente und der Sängerin derart scharf, dass die Illusion als Durchschlagpapier dienen kann. Mit ihrer Fähigkeit, diese außerordentliche Plastizität sogar abseits des Sweet Spot aufrechtzuerhalten, hält die R7 überdies ein eindrucksvolles Plädoyer für das koaxiale Prinzip. Gleichzeitig legt sie hier feinste tonale Akzentuierungen offen und geht über das gesamte Stimmspektrum hinweg absolut bruchlos zu Werke, sodass Jazzmeia Horns Gesang vollkommen natürlich klingt. Während die R7 bei »Spring Can Really Hang You Up The Most« aus dem Album »Changes« von Arianna Neikrug auch den Kontrabass mit glaubhafter Klangfülle ausstatten konnte, klingen die Beats bei »Satin Curtain« von Ray Okpara nicht ganz so saftig, wie das beispielsweise die Modelle aus KEFs Reference-Serie können.

Gebot der Neutralität

Allerdings zeigt sich anhand meiner Electro-Playlist schnell, dass es der R7 mitnichten an Substanz mangelt, vielmehr erweist sie sich als bedingungslos ehrliche Haut: Sie bildet den oberen Bassbereich äußerst transparent, impulsgenau und absolut schlackenfrei ab – bei manchen Abmischungen kann das zunächst ein wenig asketisch anmuten. Wenn es dagegen in tiefen Registern wirklich zur Sache geht, langt die R7 mit Wonne kraftvoll hin und schiebt auch die abgründigen Loops im großartigen Francesca Lombardo-Remix des Tracks »The Truth« von Jade mit spielerischer Leichtigkeit in den Raum. Somit ist klar: Die R7 empfiehlt sich vorbehaltlos für alle musikalischen Lebenslagen.

Auf ihrem Debüt »Changes« widmet sich die New Yorker Jazz-Sängerin Arianna Neikrug vorwiegend dem Great American Songbook, dessen Tradition sie mit modernen Pop- und R&B-Elementen verknüpft – ein hörenswertes, ausgezeichnet produziertes Album.