• TEST
  • 6 8
  • Seite 7
  • Seite 8
Musikalisch und klanglich extraordinär: Donald Fagens »Morph The Cat« aus dem Jahr 2006. Die LP ist Bestandteil der wunderbaren Werkschau »Cheap Xmas«, die alle Fagen-Soloalben in einem Box-Set vereint.

Pointierter Ausdruck

Während der konzentrierten Hörsession läuft zuerst Donald Fagens drittes Solo-Album »Morph The Cat«, welches wie alle seine Platten durch stupende Aufnahmequalität besticht. Die Wiedergabe über den Röst wirkt zuerst etwas unspektakulär, tonal an der Grenze zu schlank. Doch dieser Eindruck stellt sich schnell aus Täuschung heraus. Der norwegische Amp spielt nicht frisch und hell, er reproduziert einfach nur extrem agil und fluid, mit der völligen Abwesenheit von Verschmieren, Verschleppen, Verdichten. Da hängt nichts hinterher, alles ist auf dem Punkt und dabei harmonisch im musikalischen Fluss.

Bei den meisterhaft verwobenen vielfachen Gitarren auf »Brite Nitegown« bildet er die einzelne Könnerschaft der Instrumentalisten genau umrissen ab – was einer Herkules-Aufgabe entspricht, denn Donald Fagen neigt in seinen Produktionen traditionell zum reichhaltig gedeckten Tisch. Doch der Hegel arbeitet sich mühelos durch alle Facetten und verliert gleichzeitig das große Ganze nicht aus dem Blickfeld, das permanent swingt und begeistert. Dieses Merkmal der so feinnervig erscheinenden Vortragsart mit der Enthüllung feinster Mikro-Details zieht sich durch den ganzen Frequenzbereich herunter bis zum Bass, der in keiner Weise effekt-hascherisch auf sich aufmerksam macht. Stattdessen agiert er ungemein behänd und leicht federnd, aber doch mit festem Duktus. Nur so kann dieser unwiderstehliche Steely-Dan-Groove vollumfänglich real werden: durchsichtige Präzision statt schwammiger Power, aber mit erheblicher Standfestigkeit. Diese bewundernswerte Basskontrolle dürfte das Ergebnis der spezifischen Hegel-Schaltung »SoundEngine« und des mit ihr einhergehenden hohen Dämpfungsfaktors sein. Der Tiefton läuft aber nicht nur exakt getimed und kompromisslos bestimmt, sondern bei Bedarf auch druckvoll abwärts, wie der akzentuierende Synthesizer-Bass auf »What I Do« beweist. Dabei ist es höchst erstaunlich, was der Röst aus dem kleinen 13er-Treiber der KEF LS 50 an Autorität und Substanz hervorzaubert.

Nach den überbordenden Arrangements von Donald Fagen folgt mit Elvis Presleys' »Fever« das genaue Gegenteil: Stimme, Bass, Trommel – mehr braucht es nicht. Der Renderer im Amp verarbeitet über das Netzwerk via Kinsky-App auch diese hochaufgelöste AIFF-Datei sicher und offenbart eine großartige Performance – von Künstler und Elektronik. Was zum einen an der exzellenten räumlichen Darstellungsfähigkeit des Röst liegt. Er macht in alle Richtungen eine extrem weite Bühne auf, zeigt aber auch das Resonieren der Instrumente, das als »in die Tiefe«-gehend empfunden wird. Die Klangkörper von Trommel und Kontrabass schwingen einerseits authentisch nach, andererseits aber ist auch der »Attack«-Moment des initialen Anschlags extrem präsent, der so wichtig für eine glaubwürdige Wahrnehmung ist. Dort ist sie wieder hörbar, diese ansatzlose Genauigkeit des norwegischen Verstärkers. Dadurch fällt auch auf, wie unterschiedlich das taktgebende Fingerschnipsen im linken Kanal dereinst geraten ist. Damals hatte man halt noch keine digitalen »Fingerpopping«-Drum-Programme, die eine identische Performance garantieren, indem sie ein Muster automatisch wiederholen. 1960 war noch alles echte Handarbeit.

Ein zur relativen Einordnung vergleichsweise angeschlossener, weniger als halb so teurer Marantz HD-Amp 1-Verstärker zeigt den Mehrwert, den man in der Klasse von 2.500 Euro erwarten darf. Der hervorragende HD-Amp 1 macht wie gewohnt alles richtig, ist exakt, ausgewogen und analytisch in der Darstellung. Aber über den Röst gewinnt die Musik diese magische Note hinzu; die Ansprache ist emotionaler und wirkt »echter«. Der Norweger vermag es, genau die richtige Balance aus Information und Gefühl zu vermitteln. Mit dem Marantz sieht man Mr. Presley durch die Scheibe des Studios singen und hört ihn klar und deutlich über die Monitore. Beim Hegel aber befindet man sich direkt im Aufnahmeraum und sitzt genau vor Elvis.

  • TEST
  • 6 8
  • Seite 7
  • Seite 8