Klappern gehört bekanntlich zum Handwerk, und unter wachsendem Erfolgsdruck beherzigen manche Hersteller diese Spielregel seit einiger Zeit mehr denn je. Andere dagegen beschreiten leisetretend ihren Weg, von vermeintlichen Aussichten auf den Riesendurchbruch unberührt. Hegel ist so ein zartes, unscheinbar wirkendes Pflänzchen im Halbschatten, das nur darauf wartet, von Musikliebhabern am Wegesrand entdeckt zu werden. Mit dieser zurückhaltenden Kommunikationsstrategie konnte sich das norwegische Unternehmen seit 1988 behaupten, gesund wachsen und sich als Dauer-Geheimtipp für Kenner etablieren. Wenn nun ein introvertiertes Naturell wie Firmenchef Bent Holter, der für gewöhnlich kein allzu großes Aufsehen um seine Entwicklungen und Produkte macht, dann plötzlich den HD 30 auf der firmeneigenen Website als »Meisterstück« bezeichnet, lässt das aufhorchen.

Dort finden sich nur wenige Worte zur Technik des neuen Wandlers, denn der studierte Ingenieur spricht lieber über den Klang des HD 30 – und zwar wie jemand, der selbst leidenschaftlich Musik hört und eine genaue Vorstellung davon hat, was eine High-End-Komponente ausmacht. Die entwickelte sich auch während seiner Zeit als Musiker, allerdings fernab von Glöckchen und Triangeln: Holter spielte mehrere Jahre lang in der Metal-Combo The Hegel Band – um eine verlässliche Klangreferenz im Kopf herauszubilden, war das sicher nützlich.

Nachdem Hegel als Marke vor dem Hintergrund entstanden war, dass Holter für die Musikgruppe PA-Verstärker baute, nutzte der Firmengründer sein Wissen über Transistortechnik, um die Grundlagen für das Layout der Verstärker- und Ausgangsstufen zu schaffen, das in den aktuellen Hegel-Komponenten verwendet wird. Diese patentierte, »Sound-Engine« genannte Schaltungstopologie verzichtet auf eine negative Über-Alles-Gegenkopplung und arbeitet statt dessen mit lokalen, adaptiven Feedforward-Korrekturen. Der diskret aufgebauten Ausgangsstufe des HD 30 ist eine analoge Lautstärkeregelung vorgeschaltet, sodass der Wandler direkt mit Endverstärkern oder Aktiv-Lautsprechern zusammenspielen kann. Die Lautstärkeregelung lässt sich auch umgehen, und zwar indem man zunächst den Maximalwert von »100« einstellt, dann etwa zwei Sekunden wartet und den Drehregler danach weiter nach rechts dreht: Daraufhin zeigt das Display »101« an, um den Bypass der Regelung zu signalisieren. Bei erneuter Betätigung des Drehreglers wird die Lautstärkeregelung sofort wieder aktiv – clever gemacht. Für die Verbindung mit Vorstufen, Voll- oder Endverstärkern verfügt der HD 30 über einen RCA- und einen symmetrischen XLR-Ausgang. Zwei Ringkerntrafos speisen für analoge und für digitale Schaltungen separat ausgeführte Spannungsversorgungen, die extrem rauscharm sein sollen. Zuvor durchläuft die Netzspannung allerdings eine Filterstufe, die den angelieferten Strom von Störsignalen befreien soll.

Typisch Hegel: damit der HD 30 stabil auf seiner Stellfläche steht, benutzen die Norweger nur drei Füße.