Wie sich die Zeiten doch ändern. Bleiben anderswo die Uhren bisweilen einfach stehen, was ja durchaus seinen Reiz haben kann, ist man bei Elac in den Jahren beziehungsweise neun Jahrzehnten des Bestehens dem Fortschritt stets verpflichtet gewesen. Das bezieht sich insbesondere auf das Thema Lautsprecher im Ganzen. So sitze ich nun im Hörraum vor dem größten Modell der Vela-Serie, der VFS 409.2. Die schlanke Säule ist 131 Zentimeter hoch, wiegt 32 Kilogramm und ist in den Ausführungen Hochglanz Schwarz und Weiß sowie Nussbaum in Echtholz-Furnier ebenfalls mit einem hochglänzenden Überzug zu bekommen. Bei diesem Lautsprecher stimmen Proportionen und Formgebung in einem Maße, durch welches er sich positiv aus dem Heer übriger Schallwandler abhebt. Erinnert mich die neue Vela an etwas? Es ist Herbst 1987, die Standlautsprecher Elac EL135 sind ein Kassenschlager. Dem vielfach geäußerten Wunsch nach einem größeren Modell kommen die Kieler mit dem Modell EL160 nach. Eine Vierwege-Konstruktion, deren Aussehen schon damals modernen Architekturvorstellungen entspricht, ist sie doch schlank und über einen Meter hoch. Aus heutiger Sicht war das allerdings ein eher gediegenes Design, zumal wenn die neue VFS 409.2 vor einem steht.
Zum harmonischen Erscheinungsbild der eleganten Elac gehört, dass es keine 90-Grad-Winkel gibt, es geht sanft geschwunden um die Kurven des trapezförmigen Gehäuses. Fundament bildet ein Aluminium-Guss-Sockel, der auf der Rückseite geöffnet ist, um die aus dem strömungsoptimierten Bassreflexrohr nach unten abgestrahlten Schallanteile entweichen zu lassen. Zur Erhöhung der Standsicherheit kann eine schwere Bodenplatte montiert werden. Oberhalb des schwarzen Sockels ist das Bi-Wiring-Terminal mit vergoldeten Anschlüssen zu finden. Im Auslieferungszustand wird dieses mit Hilfe isolierter Brücken zu einem Single-Wiring-Zugang. Auf der Schallwand finden sich vier Chassis: zwei Tieftöner, ein Mitteltöner und die neueste Generation des legendären JET-Hochtöners.
Seit dreißig Jahren setzt man in Kiel für die Übertragung des Hochtons meist auf einen »Air Motion Transformer«, kurz AMT, der bei Elac unter dem Namen JET die Kernqualität dieses Übertragungsprinzips bereits andeutet: Geschwindigkeit und Präzision. Um Schallleistung und Abstrahlcharakteristik dieses Folienhochtöners noch einmal zu optimieren, haben Entwicklungsleiter Rolf Janke und sein Team sehr viel Zeit investiert. Das Ergebnis kann sich auch im Wortsinne sehen lassen: In der Vorgängerversion saß vor der wie eine Ziehharmonika gefalteten Folienmembran eine Abdeckung mit vier gleich breiten Schlitzen. Beim JET 6 sind es nun zwei breitere Schlitze oben und unten, die drei schmalere Öffnungen dazwischen einfassen.