Zum Start erklingt gleich ein schweres Kaliber: die »20th Anniversary Edition« des Albums »Mezzanine« von Massive Attack als remasterte Fassung in herkömmlicher CD-Auflösung. Bei den düsteren Symphonien der Bristolians ringen wuchtige E-Bässe, abgründige Bass-Synthesizer, tief gestimmte Drums und grummelnde Sprechgesänge in einem enggefassten Frequenzband gleichermaßen um Aufmerksamkeit. Die Elac-Kombination serviert daraus keinen bassigen Brei, sondern demonstriert akribisch und präzise die feine Abstimmung der jeweiligen Anteile der Instrumente am schwergewichtigen Tieftonfundament. Diese überwältigende Bass-Melange transportieren DDP-2/DPA-2 sehnig mit sicherer Kontrolle, aber gleichsam auffälliger Kraft und Wucht, an der gerade die Endstufe ihren erheblichen Anteil hat. Interessanterweise legt das DAC/Amp-Duo sehr deutlich den puzzleartigen Charakter der Kompositionen offen.
Ich vermeine fast die Nahtstellen der eingesetzten Samples wahrzunehmen, visualisiere quasi das »Klötzchenschieben« auf dem Pro-Tools-Bildschirm. Dass die Musik trotz dieser kompositorischen Vorgehensweise außerordentlich stimmig klingt, ist ein Beleg für die große Kunst von Massive Attack, die das Alchemy-Ensemble unmissverständlich zeigt. Hier bewährt sich dessen saubere Präsentation im wichtigen Mittenband, welche durch einen transparenten, aber nie unbotmäßig aggressiven Hochtonbereich vervollkommnet wird. Dieser Eindruck erhärtet sich durch die Reproduktion der Becken im Schlagzeugspiel von Nasheed Waits auf dem Album »Blue Dream« des Jamie Saft Quartetts, die mit silbrigem Timbre angeboten werden, ohne übertrieben brillant zu verstrahlen. Selbst als der Saxophonist Bill McHenry im Titel »Words And Deeds« plötzlich in bester Nobby-Stiles-Manier wild von der Seite reingrätscht, unterstützen die Elacs das energische Moment der Attacke, kippen aber nicht in eine zu gepfefferte Interpretation.
Das hohe Auflösungsvermögen der Alchemy-Kombination hat jedoch auch seine Schattenseiten, wie ich am neuen Album »Kiwanuka« von Michael Kiwanuka feststellen musste. Dieses an sich wunderbare Opus ist dynamisch ein Trauerspiel, weil so extrem komprimiert gemastert, dass es einem die Freude an der Musik verdirbt. Das Duo DDP-2/DPA-2 präsentiert in seiner neutralen Unerbittlichkeit konsequenterweise leider auch diese traurige Wahrheit. Da hilft keine Hi-Res-Auflösung: »Kiwanuka« klingt einfach nicht.