Höflich und bescheiden trat er stets auf, aber in der Sache war er zu keinem Zeitpunkt kompromissbereit. Die Sache, um die es ging, war hochwertige Musikwiedergabe; der Mann, der die Botschaft so vehement vertrat, war Tatsuo Nishimura. 1985 lernte der Autor dieser Zeilen ihn kennen. Der liebenswerte Japaner war damals im Bundesgebiet unterwegs, um sich um die Hardware von Denon zu kümmern. Im Rahmen von Vorführungen öffnete er Partnern, Händlern und deren Kunden das Tor zur klassischen Musik. Der Vollverstärker Denon PMA-737 (gebaut von 1984 bis 1986) gehörte zu den ersten Komponenten, deren überdurchschnittliche Klangqualität mich vor fast 40 Jahren davon überzeugte, dass das Leben zu kurz ist, um sich auf banale Art berieseln zu lassen.  

Deswegen bin ich bis heute geradezu elektrisiert, wenn Denon einen neuen Vollverstärker ankündigt. Das ist auch jetzt beim PMA-3000NE so gewesen, der das Erbe der Klanggaranten PMA-2500NE und PMA-A110 antreten soll – was alles andere als ein leichtes Unterfangen ist. Mit auf den Weg bekommen hat er unter anderem die Klangattribute »lebendig«, »räumlich« und »leistungsstark«. Formuliert hat diesen Anspruch Shinichi Yamauchi, der respektvoll »Denon Sound Master« genannt wird. Dass er diesen Titel zu Recht trägt, erkennt man unter anderem daran, dass das Verstärkerkonzept tatsächlich bis zur letzten Schraube durchdacht wurde: So fehlen am neuen Verstärker im Gegensatz zu den Vorgängern zwei von acht Schrauben zur Befestigung des Bodens. Diese beiden Befestigungspunkte sind ersatzlos weggefallen und die verbliebenen sechs Verschraubungen wurden durch Kupferausführungen mit einer Unterlegscheibe ersetzt. Diese Tatsache wird für Otto-Normalverbraucher nicht von Bedeutung sein und von Materie-Fremden vermutlich belustigt zur Kenntnis genommen. Anspruchsvolle Musikliebhaber jedoch werden beim Hören des Ergebnisses in Verzückung geraten. Denn die klanglichen Auswirkungen kennen wir von Marantz-Komponenten und auch in der in den Londoner AIR-Studios abgestimmten Pioneer-Verstärker-Baureihe sorgte dieser Schritt für mehr Feinzeichnung in der Wiedergabe.

Ein weiteres Beispiel für Denons Konstruktionsideen abseits der gängigen Pfade sind die vier Standfüße aus einer wärmebehandelten Aluminium-Legierung, die mit einer dämpfenden, zwei Millimeter starken Schicht aus elastischem Poron an den Untergrund ankoppeln. Auf ihrer resonanzoptimierten Konstruktion ruhen die knapp 25 Kilogramm Gewicht des in schwarzer und silberner Ausführung lieferbaren Verstärkers. Im Zentrum der Frontplatte findet sich ein Lautstärkeregler mit einem im Vergleich zum Eingangswahlknopf gewaltigen Durchmesser. Pegeleinstellungen gelingen so äußerst feinfühlig. Allerdings befindet sich hinter dem Regler kein Potentiometer, sondern die Regelung erfolgt elektrisch, was sich laut Aussage der Entwickler positiv auf den Signal-Geräuschabstand auswirken soll. Edel wirkt das kleine, klar und deutlich ablesbare OLED-Display, das neben dem gewählten Eingang beispielsweise auch Sampling-Raten anzeigt, wenn die Musik vom Computer gestreamt wird. Des Weiteren gibt es ein abschaltbares Klangregelnetzwerk, die Möglichkeit zur MM- und MC-Umschaltung sowie die zweistufig konzipierte »Analog Mode«-Taste. In Stufe eins wird die Stromversorgung des digitalen Eingangsbords abgeschaltet, in Stufe zwei zusätzlich das Display. Falls es noch Zweifel gegeben haben sollte, dass bei dieser Verstärker-Neuentwicklung nicht das Erreichen maximaler Klangqualität im Fokus gestanden hat, dürften sie mit diesem Feature endgültig ausgeräumt sein.