Den früheren Lina hat i-fidelity.net bereits getestet, und das feine Teil zeigte damals eindrucksvoll, wie weit man ein kompaktes Gerät in Richtung High End treiben kann. Genau dort setzt die neue Version an, nur mit spürbar mehr Reife, Raum und Souveränität. Bevor wir zum Gerät selbst kommen, lohnt ein Blick nach Großbritannien, wo dCS seine Geräte fertigt. Die Firma begann Ende der 80er-Jahre nicht im HiFi-Bereich, sondern mit Anwendungen, bei denen Präzision nicht verhandelbar ist. dCS entwickelte damals Signalverarbeitung für militärische und luftfahrtrelevante Systeme, bei denen jedes Timing, jeder Impuls und jede Korrektur absolut sitzen muss. Dieser Ursprung prägt das Unternehmen bis heute. In Cambridge entwickelt man Taktung, Software und Wandlerlogik lieber selbst, bleibt nach außen aber angenehm zurückhaltend. Es ist diese leise Selbstsicherheit, die sich durch alles zieht, was dCS baut.
Der ursprüngliche Lina trug diesen Charakter bereits in sich. Der Netzwerk-DAC war kompakt, modern und technisch beeindruckend, aber seine reduzierte Breite brachte gewisse Grenzen im Alltag mit sich. Besonders dann, wenn man ihn als Vorstufe nutzte. Die Bedienung am Gerät war über ein Display mit Touch-Sensoren sowie per App möglich, doch viele Hörer möchten nicht ständig ein Tablet oder ein Smartphone hervorholen, nur um eine Einstellung anzupassen oder die Lautstärke zu verändern. Genau dieses sehr reale Bedürfnis hat dCS in der neuen X-Version gelöst. Mit klassischer HiFi-Breite wirkt der Lina X sofort erwachsener. Der große, weich laufende Lautstärkeregler sitzt an der richtigen Stelle und zeigt, dass Bedienung hier wieder unmittelbar gedacht ist. Die neue Fernbedienung fügt sich nahtlos ein, liegt gut in der Hand und sorgt dafür, dass man im Hörraum einfach sitzen bleibt und Musik hört, statt mit Geräten zu hantieren. Genau so soll eine Vorstufe arbeiten, und genau hier setzt die X-Version ein klares und spürbares Zeichen.
Im Inneren nutzt dCS die größere Breite mit klarer Logik. Das Netzteil sitzt nun in einem eigenen, vollständig abgeschirmten Bereich und arbeitet weit genug entfernt von der sensiblen Wandlerelektronik, um keinerlei Einfluss auf deren Präzision zu nehmen. Genau dieser beruhigte Aufbau schafft die Bedingungen, unter denen der Ring-DAC sein volles Potential entfalten kann. dCS setzt hier nicht auf eine klassische Wandlerschaltung, sondern auf eine Architektur, die über Jahrzehnte gewachsen ist und bewusst ihren eigenen Weg geht. Der Ring-DAC verteilt das digitale Signal über viele kleine Stufen, statt es wie üblich in festen Bahnen zu wandeln. Dadurch entsteht eine außergewöhnliche Linearität und eine Klarheit, die selbst feinste Details ohne Härte abbildet. Man hat beim Hören oft das Gefühl, der Wandler würde die Musik nicht umrechnen, sondern freilegen. Dass der Lina X PCM-Signale bis 384 Kilohertz und DSD bis DSD128 verarbeitet, passt selbstverständlich in dieses Bild.